Radikaler Kurswechsel bei der Telekom?

Gut, dass die Deutsche Telekom nicht gerade als Hort der Kundenfreundlichkeit bekannt sein dürfte, das ist spätestens seitdem der Telekom-Sketch in den neunziger Jahren zur festen Einrichtung in der RTL-Sendung „Wie bitte?“ wurde, sattsam bekannt.

Aber was jetzt das Licht der Öffentlichkeit erblickt verwundert dann doch: Es wird deutlich, dass die Zeiten der Flatrates zumindest bei den Bonnern vorbei sein sollen, denn statt Flatrate heißt es dann – Drosselung ab einem bestimmten Volumen auf 384 KBit/s. Das soll angeblich ab dem 02. Mai 2013 etwa beim Tarif Call & Surf mit DSL bei 75 GByte losgehen. Das klingt zwar zuerst einmal nach ordentlich viel Holz, aber ist es nicht wirklich. Wird etwa ein neuer PC aufgesetzt und einiges an Programmen aus dem Netz geladen, ab und an bei youtube vorbegeschaut und schon sind die 75 GB geschmolzen wie Eis unter der Sonne.

Deutlicher geht es dann doch nicht, dass sich in Bonn von jeder Kundenorientierung verabschiedet werden soll! Okay, angeblich sind nur Neukunden betroffen, aber beim Kundenservice den die Telekom immer an den Tag legt, wette ich da auf keinen Fall drauf, dass es auch so bleibt. Anfragen an die Presseabteilung sind bereits erfolgt, eine offene und ehrliche Antwort ist jedenfalls ausgeblieben. Das Geschwurbel das als Antwort kam – man hätte über das Bekannte hinaus nichts mitzuteilen – ist jedenfalls alles andere als ein Dementi. Ich erlaube mir daher die Freiheit dies so auszulegen, dass diese Pläne konkret bestehen und ein Paradigmenwechsel stattfinden soll. Michael Müllers Begriff Skandal trifft es in meinen Augen nicht einmal im Ansatz!

Das Bundeswirtschaftsministerium plant mit seiner Breitbandstrategie die Anbindung aller Haushalte an ein leistungsfähiges Netz bis 2018! Wobei leistungsfähig auch mit Vorsicht zu genießen ist, denn 50 MB sind das Ziel und 2018 ist noch weit, sehr weit weg. Schaut man einmal auf den Breitbandatlas dann sieht das schon ganz anders aus wenn man nur einmal 6 MB anklickt. Und das ist bereits nicht wahnsinnig schnell wenn mehrere Geräte in einem Haushalt ins Web wollen. Bei mir geht aktuell auch nicht mehr und ich bin nicht wirklich glücklich damit! Aber seis drum, wir haben dann 2018 alle 50 MB und bei den Providern eine Bremse bei 75 GB oder 50 GB oder gar nur 25 GB? Ein Witz und zwar ein extrem schlechter!

Aber vielleicht führt das Gedankenspiel ja auch zu einem Umdenken auf Kundenseite. Eine Abstimmung mit den Füßen, die Weigerung solche Verträge auch zu unterschreiben, der Wechsel zu anderen Anbietern die solche Vorstellungen nicht hegen, all das ist schließlich möglich. Und das ist vermutlich die einzige Antwort, die der rosa Riese versteht. Übrigens T-Systems kann dann ja vielleicht einmal anfangen ihre Cloud-Lösungen zu überarbeiten, denn das wird ja sicherlich kein Renner wenn Flatrates erdrosselt werden! Aber zumindest wird eines sehr deutlich – an Kundeninteressen ist man in Bonn nicht mehr orientiert. Dieser Kurswechsel ist dann bereits vollzogen, so ehrlich ist man!

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2 Gedanken zu „Radikaler Kurswechsel bei der Telekom?

  1. Das macht doch Spaß zu lesen: …nur noch 75 GByte pro Monat….
    “ Das klingt zwar zuerst einmal nach ordentlich viel Holz, aber ist es nicht wirklich. Wird etwa ein neuer PC aufgesetzt und einiges an Programmen aus dem Netz geladen, ab und an bei youtube vorbegeschaut und schon sind die 75 GB geschmolzen wie Eis unter der Sonne.“
    Und der Schreiber hat eine 6MB Leitung…….rechnet mal schnell aus wie viele Stunden der Kollege pro Monat damit geschäftigt ist Daten aus dem Internet zu saugen 🙂 kein Wunder das man dann darauf kommt solche Artikel zu schreiben….

  2. Ich betrachte das nicht als lustig, weil es für mich eine Art Testballon darstellt, was ich auch versucht habe deutlich zu machen. Heute 75 GB, morgen 50 GB und übermorgen vielleicht nur noch 25 GB oder 15 oder 10! Das ist das Problem. Denn es soll nach meiner festen Überzeugung der Einstieg in eine radikale Änderung der Tarife darstellen. Alle Welt beschwert sich – zurecht – über die sogenannten „Flatrates“ im Mobilfunk. Im Festnetz sind wir davon noch entfernt und dann jetzt diese Idee. Denke einmal an übermorgen. Wenn das Modell durchgeht, dann war es das mit einer Flatrate!
    Übrigens soll es, soweit mir bekannt ist, noch deutlich schnellere Anschlüsse als 6 MB geben. Und dort gelten dann die gleichen Regeln wie bei 6 MB. Mir kam es in diesem Zusammenhang vor allem darauf an zu zeigen, dass Geschwindigkeiten von 384 KBit/s eigentlich der Vergangenheit angehören sollten, zumal noch im letzten Jahr, Stichwort Breitbandinitiative, vom Bundeswirtschaftsministerium das Ziel mehr als 50 MB bis 2018 ausgegeben wurde! Die Perspektive erfreut mich jedenfalls nicht wirklich. Schnelle Datenleitung ja, aber wie groß ist dann die „Flatrate“ noch?
    Lat but not least „sauge“ ich nicht allein :).

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