Funke-Mediengruppe oder hat der Wahnsinn Methode?

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Also gut, neu ist das Thema WAZ-  Funke-Mediengruppe nicht, aber drum herum kommt man als Medien-Interessierter zur Zeit wirklich nicht. Dafür sorgen die führenden Köpfe (?) des Verlags schon selbst. Diesmal sind es jedoch nicht die Entlassungen, sondern das Verständnis von Journalismus, der Umgang mit den Mitarbeitern und das peinliche Auftreten eines der Chefredakteure. Was ist passiert?

Ausgelöst wurde das Ganze durch das Interview eines Geschäftsführers des Verlages, von Manfred Braun. Dieser hat zwischen den beiden Entlassungswellen im Januar und März 2013 der Fachzeitschrift MedienWirtschaft ein Interview gegeben, das nun der Weltöffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Darin bekennt er offen, wo zukünftig die Schwerpunkte des Verlags liegen sollen – Nähe geht vor Qualität. Dieses Vorgehen wird unter anderem mit den (vermeintlichen) Interessen der Leser begründet. Diese empfänden lokale Nähe weitaus wichtiger als alle anderen Faktoren! „Journalistische Qualität“ und das „Denken in Geschichten“ sei eindeutig zweitrangiger Natur.

So jetzt einmal tief durchatmen und das sacken lassen. Klar ist es für die Leser interessant zu erfahren, dass irgend ein Verein 25 Jahre alt wurde, dass die örtliche Laienschauspieltruppe wieder ein Stück aufgeführt hat und so weiter und so fort. Aber das soll den Leuten wichtiger sein, als die Fehler, Mängel und Mauscheleien der Lokalpolitik, die Existenznöte der Unternehmen vor Ort, den Widerständen gegen ein neues Gewerbegebiet etc.? Bei aller Liebe, das glaube ich jedenfalls nicht. Auch sind meine Erfahrungen in Bezug auf die politische Orientierung einer Zeitung andere, die Leser angeblich „nicht so deutlich und schon gar nicht als Qualitätsmerkmal“ wahrnähmen. Ja klar, deswegen gibt es ja auch noch an so manchem Ort in Deutschland Lokalredaktionen (die Funke-Mediengruppe selbst ändert das ja gerade) mit unterschiedlichen politischen Ausrichtungen und die Leser wechseln zwischen diesen Ausgaben täglich hin und her! Anmerkung am Rande: Wenn doch Qualität und der damit untrennbar verbundene Qualitätsjournalismus gar nicht so wichtig ist, wie in der letzten Zeit kolportiert wurde, dann war das Leistungsschutzrecht doch gar nicht nötig, oder Herr Braun?

Wenn Manfred Braun wirklich glaubt was er ausführt, dann sitzt er an der falschen Stelle. Zugegeben ist eine Kritik an der journalistischen Arbeitsweise durchaus möglich, ja sogar notwendig um die „Zeitung“ fit für die Zukunft zu machen. Denn längst nicht alles was so in und von Lokalredaktionen produziert wird verdient den Pulitzer Preis. Aber das hat auch vielschichtige Gründe (zum Beispiel Ausstattung mit Personal und Technik, Zeilenhonorare, Schüler als freie Mitarbeiter).

Doch diese Ausführungen gehen eindeutig zu weit! Denn was Herrn Braun in meinen Augen gänzlich für seine Aufgabe disqualifiziert, ist die Art und Weise seines Vorgehens. Ich finde eine öffentliche Zurechtweisung und Abwertung der Mitarbeiter und ihrer Arbeit absolut fehl am Platze. Verleger sollten ihre Kritik intern äußern, Probleme und andere Vorstellungen mit ihren Redaktionen diskutieren statt sich auf deren Kosten öffentlich zu profilieren. Ein solches Verhalten eines Topmanagers wird, egal ob die Kritik berechtigt ist oder nicht, von der Öffentlichkeit mit Recht als Imageschädigung verstanden und hat in der Regel vor allem Konsequenzen für den jeweiligen Manager.

Aber damit nicht genug an Peinlichkeiten. Denn auch der Chefredakteur der WAZ, Ulrich Reitz, passt sich diesem Niveau an. Anlass für die putzige Geschichte ist der 65. Geburtstag der WAZ und Herr Reitz gibt sich die Ehre, seinen Redakteuren und den Lesern auf eine Erklärbärweise das mit diesem Journalismus QUALITÄTSJOURNALISMUS aber so was von klasse zu erläutern, dass klein Fritzchen baff staunend zurück bleibt. Es sei denn man ist gewesener oder aktueller Redakteur im Hause, dann klingt das ganz schwer nach Hohn! Sorry das ist einfach nur schlechter Stil (Achtung doppeldeutig Herr Reitz) und zudem völlig unangebracht in der derzeitigen Situation.

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