„Wenn du aus Halle 9 raus kommst, bist du am Arsch der Welt!“

Einer der ersten O-Töne die ich auf der diesjährigen CEBIT hörte, offensichtlich ein Telefongespräch mit dem Kollegen in der Firma – und es stimmte. Es stimmte, weil es eben die neue CEBIT war. Vorher drehte sich sehr, sehr viel um und in den Hallen 2 – 7, doch die CEBIT 2018 hat ihren Fokus geändert. Und so fand man sich plötzlich in den Hallen 11-13, 25-27 und dem Freigelände inklusive Pavillons etwa von IBM oder Vodafone wieder. Da lag dann die Halle 9 auf einmal weit vom eigentlichen Geschehen entfernt. Da stand die CEBIT nun in ihrer „neuen Pracht“, das vorab schon bekannt gewordene Riesenrad von SAP, die Bühne für die Live-Auftritte von Musikern, Sonnenstühle, Sand, Streetfood – nun ja Imbiss könnte man sagen – neue Ideen, neues Format. Und jetzt?

Der Schwerpunkt von IBM lag in der Wolke / © itbeobachter

Um es vorweg zu nehmen, gescheitert ist das neue Konzept nicht, zur Gänze aufgegangen aber auch nicht! Doch das kann und darf man wohl auch nicht erwarten, denn es ging bei der Änderung des Konzepts nicht um eine Evolution sondern um eine Revolution. Was alle Beteiligten, Deutsche Messe, Aussteller, Besucher, Verbände, Interessierte… jetzt brauchen ist Zeit, Zeit, die sie sich mit der CEBIT 2018 erkauft haben. So kann in den nächsten 12 Monaten weiter am Konzept gearbeitet, nachjustiert, gefeilt, schlicht und ergreifend der nächste Schritt vollzogen werden. Denn eines ist deutlich geworden, die CEBIT ist anders, ist jünger geworden und das hat ihr sicherlich auch gefehlt!

Aber das allein reicht noch nicht. Die Messe mag (vordergründig) zufrieden sein mit dem Ergebnis. 120.000 Besucher an vier Tagen ist jetzt zwar nicht die Welt, aber schaut man einmal in die Sozialen Medien dann fällt schon auf, dass so viel Interesse und Anteilnahme in den letzten Jahren nicht zu verzeichnen war. Und hochgerechnet auf fünf Tage wären die mehr als 200.000 Besucher von 2017 zwar immer noch nicht erreicht, aber 150.000 ist für einen radikalen Richtungswechsel okay. Die Konzentration auf Kernfelder wie Digitalisierung, Security oder Künstliche Intelligenz ist gut und richtig. Auch wenn manches was groß angekündigt wurde, dann doch enttäuschend war. Dies gilt etwa für das Thema „Future Mobility“ mit lediglich sechs relevanten Ausstellern in der Halle – ADAC, Deutsche Bahn, eGo, Mitsubishi, Üstra und Volkswagen. Dennoch eine lockerere Atmosphäre ist kein Verbrechen und auf der Messe vielleicht einen gemeinsamen Abend in entspanntem Ambiente und bei Musik zu erleben, stört sicherlich keine Geschäftsbeziehung! Doch der nächste Schritt ist vielleicht der Schwerste, die Verbindung von alter CeBIT und der neuen CEBIT! Denn die Aussteller müssen mitziehen, sich, ihre Messestände und ihr Auftreten auf das Neue einstellen, die Gestaltung der Hallen muss stringenter erfolgen. Gerade hier war auch in diesem Jahr ein wilder Mix zu sehen, es stand zusammen was thematisch nicht unbedingt zusammengehörte. Denn am Ende zählt auch bei der neuen CEBIT das Ergebnis bei Ausstellern und Besuchern. Tiefrote Zahlen oder eine unattraktive Ausstellung können auf Dauer durch kein noch so tolles Konzept aufgefangen werden. Denn weiterhin sind Besucher gefragt, die ein konkretes Investment im Hinterkopf haben, einen bestimmten Informationsbedarf abdecken wollen. Der IT-Leiter aus dem Mittelstand sollte Hannover immer noch als ein lohnendes Ziel betrachten ohne gleichzeitig die Jungen, wer immer das sein mag, zu vergraulen. Aber dies ist zu schaffen, wenn sich die Messe darauf konzentriert Bewährtes in das neue Konzept einzubinden.

Lediglich sechs relevante Aussteller zum Thema „Future Mobility“  / © itbeobachter

Gelingt dies, dann kann die CEBIT wieder an Bedeutung gewinnen, ob sie jemals den Status um die Jahrtausendwende erreichen wird, ist zu bezweifeln. Aber das ist gar nicht nötig. Eine relevante IT-Messe in Deutschland, die ihren festen Platz in den Köpfen und Beinen hat, wäre schon ein überaus schöner Erfolg und wichtiger Impuls für unseren Standort.

Ich gebe offen zu, ich habe lange überlegt wie mir die CEBIT gefallen hat und so manches hat mich gestört, einiges hat mich kopfschüttelnd zurück gelassen. Ich habe hin und her überlegt mit dem Ergebnis, dass bald ein Monat vorbei und der Beitrag erst jetzt fertig ist. Doch eines ist sicher: Bei aller Kritik, bei allem Optimierungsbedarf, bei aller Veränderung, wenn im Juni 2019 vom 24. bis zum 28. CEBIT-Zeit in Hannover ist, bin ich vor Ort! Denn auch wenn noch längst nicht alles Gold ist was glänzt, diese CEBIT hat Mut gemacht, dass das neue Konzept der Messe neues Leben einhauchen kann!

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