„Wenn du aus Halle 9 raus kommst, bist du am Arsch der Welt!“

Einer der ersten O-Töne die ich auf der diesjährigen CEBIT hörte, offensichtlich ein Telefongespräch mit dem Kollegen in der Firma – und es stimmte. Es stimmte, weil es eben die neue CEBIT war. Vorher drehte sich sehr, sehr viel um und in den Hallen 2 – 7, doch die CEBIT 2018 hat ihren Fokus geändert. Und so fand man sich plötzlich in den Hallen 11-13, 25-27 und dem Freigelände inklusive Pavillons etwa von IBM oder Vodafone wieder. Da lag dann die Halle 9 auf einmal weit vom eigentlichen Geschehen entfernt. Da stand die CEBIT nun in ihrer „neuen Pracht“, das vorab schon bekannt gewordene Riesenrad von SAP, die Bühne für die Live-Auftritte von Musikern, Sonnenstühle, Sand, Streetfood – nun ja Imbiss könnte man sagen – neue Ideen, neues Format. Und jetzt?

Der Schwerpunkt von IBM lag in der Wolke / © itbeobachter

Um es vorweg zu nehmen, gescheitert ist das neue Konzept nicht, zur Gänze aufgegangen aber auch nicht! Doch das kann und darf man wohl auch nicht erwarten, denn es ging bei der Änderung des Konzepts nicht um eine Evolution sondern um eine Revolution. Was alle Beteiligten, Deutsche Messe, Aussteller, Besucher, Verbände, Interessierte… jetzt brauchen ist Zeit, Zeit, die sie sich mit der CEBIT 2018 erkauft haben. So kann in den nächsten 12 Monaten weiter am Konzept gearbeitet, nachjustiert, gefeilt, schlicht und ergreifend der nächste Schritt vollzogen werden. Denn eines ist deutlich geworden, die CEBIT ist anders, ist jünger geworden und das hat ihr sicherlich auch gefehlt!

Aber das allein reicht noch nicht. Die Messe mag (vordergründig) zufrieden sein mit dem Ergebnis. 120.000 Besucher an vier Tagen ist jetzt zwar nicht die Welt, aber schaut man einmal in die Sozialen Medien dann fällt schon auf, dass so viel Interesse und Anteilnahme in den letzten Jahren nicht zu verzeichnen war. Und hochgerechnet auf fünf Tage wären die mehr als 200.000 Besucher von 2017 zwar immer noch nicht erreicht, aber 150.000 ist für einen radikalen Richtungswechsel okay. Die Konzentration auf Kernfelder wie Digitalisierung, Security oder Künstliche Intelligenz ist gut und richtig. Auch wenn manches was groß angekündigt wurde, dann doch enttäuschend war. Dies gilt etwa für das Thema „Future Mobility“ mit lediglich sechs relevanten Ausstellern in der Halle – ADAC, Deutsche Bahn, eGo, Mitsubishi, Üstra und Volkswagen. Dennoch eine lockerere Atmosphäre ist kein Verbrechen und auf der Messe vielleicht einen gemeinsamen Abend in entspanntem Ambiente und bei Musik zu erleben, stört sicherlich keine Geschäftsbeziehung! Doch der nächste Schritt ist vielleicht der Schwerste, die Verbindung von alter CeBIT und der neuen CEBIT! Denn die Aussteller müssen mitziehen, sich, ihre Messestände und ihr Auftreten auf das Neue einstellen, die Gestaltung der Hallen muss stringenter erfolgen. Gerade hier war auch in diesem Jahr ein wilder Mix zu sehen, es stand zusammen was thematisch nicht unbedingt zusammengehörte. Denn am Ende zählt auch bei der neuen CEBIT das Ergebnis bei Ausstellern und Besuchern. Tiefrote Zahlen oder eine unattraktive Ausstellung können auf Dauer durch kein noch so tolles Konzept aufgefangen werden. Denn weiterhin sind Besucher gefragt, die ein konkretes Investment im Hinterkopf haben, einen bestimmten Informationsbedarf abdecken wollen. Der IT-Leiter aus dem Mittelstand sollte Hannover immer noch als ein lohnendes Ziel betrachten ohne gleichzeitig die Jungen, wer immer das sein mag, zu vergraulen. Aber dies ist zu schaffen, wenn sich die Messe darauf konzentriert Bewährtes in das neue Konzept einzubinden.

Lediglich sechs relevante Aussteller zum Thema „Future Mobility“  / © itbeobachter

Gelingt dies, dann kann die CEBIT wieder an Bedeutung gewinnen, ob sie jemals den Status um die Jahrtausendwende erreichen wird, ist zu bezweifeln. Aber das ist gar nicht nötig. Eine relevante IT-Messe in Deutschland, die ihren festen Platz in den Köpfen und Beinen hat, wäre schon ein überaus schöner Erfolg und wichtiger Impuls für unseren Standort.

Ich gebe offen zu, ich habe lange überlegt wie mir die CEBIT gefallen hat und so manches hat mich gestört, einiges hat mich kopfschüttelnd zurück gelassen. Ich habe hin und her überlegt mit dem Ergebnis, dass bald ein Monat vorbei und der Beitrag erst jetzt fertig ist. Doch eines ist sicher: Bei aller Kritik, bei allem Optimierungsbedarf, bei aller Veränderung, wenn im Juni 2019 vom 24. bis zum 28. CEBIT-Zeit in Hannover ist, bin ich vor Ort! Denn auch wenn noch längst nicht alles Gold ist was glänzt, diese CEBIT hat Mut gemacht, dass das neue Konzept der Messe neues Leben einhauchen kann!

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Wieder in Hannover

Das erste Drittel des Jahres ist schon wieder rum, die ersten Messen bereits gelaufen. Dazu gehört selbstverständlich auch die traditionelle Reise nach Hannover – Stichwort IT – und eine Einschätzung zur Veranstaltung: 5 Tage, 210.000 Besucher und 5.800 Aussteller, ja das sind respektvolle Zahlen. Was jedoch für einen Veranstalter viel mehr zählt ist das Feedback der Aussteller! Und die waren – zumindest meine kleine Stichprobe ergibt dies – mit der Veranstaltung zufrieden. Mehr Kontakte hätten sich zwar alle gewünscht, aber genug Kontakte auf einer Messe, das gibt es wohl eh nicht. Was von allen Ausstellern betont wurde, war die Qualität der Gespräche und der Besucher. Wenige „Sehleute“, sehr viel sachkundiges Publikum mit einer hohen Entscheidungskompetenz. Letztlich also die Kontakte, die sich jeder Aussteller wünscht. #Daumenhoch

Bild Hannover Messe - Copyright Deutsche Messe

Hannover Messe – Quelle Deutsche Messe

Thematisch zeigte sich eine interessante Entwicklung! Denn der Blick auf eines der Hype-Themen – die Digitalisierung, das Internet der Dinge, IoT, Industrie 4.0 oder Smart Factory – offenbarte, es war ein zentrales Thema der Messe. Doch im Vergleich zum vergangenen Jahr begegnete man in den Hallen dem Thema auf andere Art und Weise: Es gab weniger aufgebaute Showcases, die verdeutlichen was die sogenannte Digitalisierung bedeuten kann. An deren Stelle war sachliche Information gefragt! Machen war an die Stelle „Erklären und Bebildern was #IoT sein kann“ getreten. Beleg dafür, dass die Digitalisierung in den Köpfen angekommen ist! #Daumenhoch

Ebenfalls interessant, welche Aussteller sich eine Halle teilten: Da fanden sich in Halle 6 unter anderem AWS, Cisco, Google, HP Enterprise, Huawei, Intel und Siemens, während IBM, Microsoft, Oracle UND SAP in Halle 7 zu sehen waren. Prominenz, sehr viel Prominenz! #Daumenhoch

Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wann ich Oracle das letzte Mal auf der CeBIT gesehen habe – aber es war ja auch nicht die CeBIT, es war schließlich die Hannover Messe! Da wird es die (kleine?) IT-Tochter im Juni aber schwer haben, diesen Eindruck zu toppen. Zumal hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen wurde, dass die CeBIT-Macher bereits dabei seien, deutlich zurückzurudern. Die CeBIT sei ja immer noch Messe und das mit dem Festival, gar nicht sooo in Stein gemeißelt. Aber das sehe ich / sehen wir ja dann im Juni!

10 Apps, die aufs Smartphone gehören

Heute bin ich über Twitter auf eine richtig interessante Aktion von „Das Blogmagazin“ gestoßen – 10 Apps, die aufs Smartphone gehören. Welches sind denn nun die Apps, die so gerne benutzt werden, dass man nicht mehr auf sie verzichten möchte? Interessant zu erfahren, was andere Anwender nutzen, welche Gemeinsamkeiten, welche Unterschiede existieren.

Schaut doch einfach einmal rein und vergleicht die Ergebnisse mit euren Präferenzen. Und wer Interesse hat, kann seine Vorschläge ja Severin Tatarczyk auch unterbreiten!

IT Sicherheit 2.0/17

it-sa-2017-1

Sie ist Geschichte, die it-sa 2017! Und wieder ist sie größer geworden was die Zahl der Aussteller (Plus 28%), die verkaufte Fläche (Plus 46%) und die Zahl der Besucher (Plus 25%) anbetrifft. Wenn man wie ich – die Messe vom ersten Tag an in Nürnberg begleitet hat – dann beeindruckt diese Entwicklung ganz besonders. Damals als es los ging, verströmte die Messe den Charme der Improvisation. Viele Foren und Diskussionen, dazwischen einige einfache Messestände das war es. Und heute ist es eine „richtige“ Messe geworden – dieses Jahr der Umzug in die Hallen 9 und 10 – samt Negativentwicklungen. Die Stände deutlich größer, professioneller und beeindruckender. Die üblichen Versuche den Besucher mit Einladungen zu Kaffee, Eis, Popcorn & Co. an den eigenen Stand zu locken. Vortragsreihen mit 15-Minuten-Slots, die oftmals immer noch zu lang und in einigen wenigen Fällen leider zu kurz sind. Und gestritten wird auf Podien leider viel zu selten, eher gar nicht, da es die Podien auch nicht mehr gibt.

Aber eines ist die Messe heute auf jeden Fall, die Leitmesse zum Thema IT-Security. Und betrachtet man die steigenden Besucherzahlen, dann trifft sie auch den Nerv der Zeit. IT-Security gewinnt eben, auch aufgrund zusätzlicher Vorschriften und Gesetzesverschärfungen, endlich die Bedeutung, die ihr schon seit langem zusteht. Begeistert – „tolle Messe“, „wir sind sehr zufrieden“, „wenn jetzt der Donnerstag noch genauso verläuft dann war es super“ – waren auf jeden Fall alle Austeller, die ich gesprochen habe. Zumindest sofern diese noch reden konnten, denn bei einigen war die Stimme entweder schon stark angegriffen oder hatte bereits kapituliert.

Zu den Themen zählten Cloud Security, die von den meisten Ausstellern bedient wurde, und natürlich die im Mai 2018 umzusetzende DSGVO. Trend- oder Mussthemen halt, die auf die ein oder andere Weise wohl bei allen Unternehmen Beachtung finden. Verständlich, denn als Aussteller verfolgt man eben nicht caritative Ziele! Was mir persönlich jedoch viel zu kurz kam, war das Feld der IoT-Security. Im vergangenen Jahr noch war IoT, ob des Mirai-Botnetzes ein wichtiges, da brandaktuelles Thema. Schaut man in die Prognosen, dann gehen die Experten mittlerweile von mindestens 25 Milliarden smarten Geräten / Dingen in 2020 aus. Und dennoch waren viel zu wenige Aussteller auf das Thema fokussiert. Wenn dann war es oftmals lediglich ein Randthema und auf den Ständen in die Ecke gedrängt. Hier hätte ich mir einen stärkeren Schwerpunkt gewünscht, auch und gerade im Vorgriff auf die Zukunft und die damit verbundenen großen Risiken und Gefahren! Ärgerlich war auch der Messestand der Startups. Selbst wenn es keine ausreichende Anzahl an Interessenten gegeben haben sollte, auf einen Anbieter, der seit fast anderthalb Jahrzehnten mit Erfolg auf dem Markt agiert, trifft jedenfalls die Bezeichnung Startup längst nicht mehr zu! Aber das kann sich ja in 2018 dann auch ändern. Überprüfen werde ich das mit Sicherheit, denn der Oktober ist auch in 2018 bei mir wieder der itsa-Monat!

Warum setzen CRM-Anbieter eigentlich keine CRM-Systeme ein? Ein Bericht über die Wirren der Software-Auswahl

Die Lektüre der IT-Fachpresse gehört zum beruflichen Alltag bei mir, erst recht, wenn ich – privat oder beruflich – auf der Suche nach neuer Hard- oder Software bin. Dieses Mal betrifft es eine CRM-Lösung. Die momentan im Einsatz befindliche Software deckt weder meinen geänderten, da erweiterten Bedarf ab, noch ist sie vom Handling so richtig bequem und benutzerfreundlich. Also etwas Neues muss her. Was möchte ich, was brauche ich unbedingt, was wäre schön aber nicht notwendig?

Alles kein Problem, schließlich strotzt der Markt ja nur so von Alternativen. Recherche in der Fachpresse, im Netz, auf Messen unter anderem der CeBIT, Gespräche mit Bekannten, anderen Selbstständigen und heraus kam eine Liste mit potenziellen Anbietern, die offensichtlich alle Wünsche abdeckten und auch zukunftssicher erscheinen. Cloud oder inhouse, Preise, Zukunftsfähigkeit alles wird definiert – es kann losgehen. Ach ja und CRM oder xRM ist ja sowieso total wichtig und angesagt und für einen gesteigerten Umsatz aber sowas von notwendig, stand zumindest so oder in ähnlicher Weise in zig Beiträgen.

Also los geht es – das lässt sich ja in einem klar definierten Zeitrahmen durchführen. Dachte ich:

  • Versuch Nummer 1: Kontaktaufnahme auf der CeBIT, interessante und anwenderfreundliche Software, Cloud-fähig, exzellentes Preis- / Leistungsverhältnis – ja klingt gut und sieht auch gut aus. Also Karte übergeben und Kontaktaufnahme durch den Vertrieb vereinbart und dann gewartet und gewartet. Kein Anruf, keine E-Mail, kein irgendwie gearteter Versuch mich doch als Kunden zu gewinnen. Hm, es scheint DAS ist doch keine leistungsfähige CRM-Software!
  • Versuch Nummer 2: Ebenfalls Kontaktaufnahme auf der CeBIT, auch schöne Lösung, auch Cloud-fähig. Und dann folgt im vereinbarten Abstand zur Messe die E-Mail und ein weiterer Austausch. Aber dieser Austausch findet offensichtlich nicht nur mit mir statt. Denn kurze Zeit später erhalte ich nicht nur von diesem Unternehmen einen Newsletter mit Informationen (dem ich zugestimmt habe), sondern auch eines zweiten Unternehmens (nach dem ich nicht gefragt wurde) mit derselben Postanschrift und demselben Geschäftsführer. Da hake ich doch mal nach und frage, wie man an diesen Lead gekommen ist. Dies ist offensichtlich peinlich, denn Antwort bekomme ich keine. Doch Anbieter Nummer 2 meldet sich noch einmal, dem ich ob des Umgangs mit personenbezogenen Daten dankend absage!
  • Versuch Nummer 3: Hm, sah gut aus ist dann aber nach einer „Empfehlung“ eines neuen Lieferanten als Lösung ausgeschieden, da mein Lieferant wegen des Tempos des CRM zu oft flucht!
  • Versuch Nummer 4: Jetzt werde ich im Netz aktiv, lade mir von der Hersteller-Webseite eine Broschüre und einen Entscheidungshelfer herunter, gebe meine Kontaktdaten an und werde innerhalb kürzester Zeit angerufen. Das fängt schon mal gut an. Man tauscht sich aus, am Ende wird dann ein Termin für ein Webinar vereinbart um das Produkt einmal genauer kennenzulernen. Sehr gut – bis hierhin. Als der Termin besprochen werden soll, geht es um den Partner des Herstellers und es taucht das Systemhaus aus Versuch Nummer 2 auf. Unmissverständliche Antwort von mir – jedes Systemhaus ist okay, nur nicht dieses! Und wer ruft am Tag vor dem Webinar an? Man ahnt es schon… Bei der nächsten Kontaktaufnahme durch den Hersteller kann ich nicht ans Telefon, habe selber einen Termin und seitdem herrscht das Schweigen im Walde… Gut, Informationen, Termine oder Aufgaben im CRM einzutragen klappt anscheinend nicht – damit ist auch die Lösung raus.
  • Versuch Nummer 5: Dieses Mal wieder Messe! Sehr gutes Gespräch auf dem Messestand und am Schluss Karte übergeben. Da ich mich vor allem für die Cloud-Lösung und zu einem zentralen Aspekt informiere erhalte ich die Zusage, innerhalb von 4-6 Wochen ruft mich jemand an, der mir genau dazu ausgiebig Auskunft erteilen kann. Kontaktaufnahme ist auch erfolgt, allerdings per E-Mail. Und die Auskunft bestand aus einem Hinweis, ich solle mir doch einmal dies und das bei der Lösung xyz anschauen, das könnte meine Bedürfnisse abdecken?! Ach so, und die E-Mail-Adresse hatte man statt von meiner Visitenkarte aus dem Impressum genommen. Zügige Antwort von meiner Seite, ich sei weiterhin interessiert, aber man habe offensichtlich die falsche E-Mail-Adresse… Vier Wochen später neue E-Mail, wieder an die falsche Adresse! Offensichtlich kann man die Art der Kontaktaufnahme nicht einpflegen und Einträge im CRM-System nicht nachträglich ändern – damit ist auch die Lösung raus.

So und knapp 18 Monate nach dem Start dieses Projekts habe ich andere und deutlich mehr Fragen zum Thema CRM: Ist ein CRM-System wirklich sooo wichtig für das Marketing, dass es diesen Ärger wert ist? Bringt ein CRM-System überhaupt etwas, wenn schon Hersteller oder Systemhäuser entweder damit nicht umgehen können oder wollen? Ab welcher Zahl von Nutzer-Lizenzen wird man ernst genommen, korrekt bearbeitet und behandelt? Ist das alles nur Pech, dummer Zufall oder steckt da doch System dahinter?

Auf eins bin ich aber bereits jetzt gespannt – den nächsten tollen Fachartikel, der mir die Relevanz eines xRM-Systems für den Alltag im Unternehmen und die Bedeutung für den Umsatz beschreibt!

Ach CeBIT – „Ich weiß es doch auch nicht“!

Wilfried Schmicklers Programm spiegelt wunderbar wieder, wie es mir in den letzten Tagen in Hannover gegangen ist. Ob die Messe ein Erfolg war – „Ich weiß es doch auch nicht“. (Offizielle Pressemitteilungen verkünden da eh immer das Gleiche: Die Messe war ein voller Erfolg!) Einige Aussteller waren begeistert und sprachen bereits am Mittwoch von einem großen Erfolg, einige waren halbwegs zufrieden und einige gar nicht. Das ist aber auf jeder Veranstaltung so, also auch kein Beweis. Schlangen beim Einlass bildeten sich auch wieder, ganz anders als in den letzten Jahren.

Schlangen am Eingang und dies lag nicht nur an den Taschenkontrollen. 21.03.2017 vom itbeobachter

Aber dieses Gefühl der Marginalisierung der Messe stellte sich dennoch ein, dass hier in Hannover gerade etwas ganz, ganz schief läuft. Es war ein diffuses Gefühl unterstützt von den Gesprächen, den Eindrücken und dem teilweisen „weiter so“ der Aussteller. Paradigmatisch kann hierfür die „gute, alte“ Halle 3 stehen, die „Halle der Hölle“ oder im CeBIT-Sprech: Digital Office Area. Das Konzept der meisten Aussteller hat sich in den letzten Jahren jetzt nicht sooo sehr geändert. Alles selbstverständlich total digital, innovativ, irgendwas mit Akten und Archiv und der unheimlich großen Relevanz für JEDES Unternehmen – also exakt das, was ich vor etwa 20 Jahren in Essen auch schon gehört oder gesehen habe. Vorträge und Foren auf denen seit x-Jahren in nicht immer unterschiedlichen Varianten das Gleiche erzählt wurde und man sich gegenseitig versicherte wie relevant das eigene Tun / Geschäftsfeld doch ist. Nur die Realität 2017 spiegelt das jetzt nicht unbedingt wieder. Ich habe beim Rundgang in dieser Halle exakt drei Aussteller gefunden, die da einen anderen und nach meinem Empfinden zeitgemäßeren Ansatz verfolgen, aber das war es auch schon. Diese Konzepte von vorvorgestern sind ein Beispiel dafür, warum die Musik in Sachen IT / Innovation jetzt anderen Orts spielt etwa in Barcelona oder Berlin.

Was man anders machen könnte – „Ich weiß es doch auch nicht“. Dass aber etwas anders laufen muss, das erschien mir klar oder um es mit den Worten von Georg Christoph Lichtenberg zu sagen: ”Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.” Denn in den Hallen geisterte der Satz herum: „Das ist das letzte Mal, dass ich auf der CeBIT bin!“ Und dann wurde vom Leder gezogen, dass es eine wahre Pracht war, die fehlende Fokussierung kritisiert, das Festhalten an alten Rollenbildern, das Fehlen von Konzepten wie man Diskussion, Business, Motivation, Coolness … wieder einmal in Hannover versammeln könnte. Ach so und Coolness meint in diesem Falle nicht, das gesamte Standpersonal mit bunten Sneakers etwa in Orange oder Giftgrün auszustatten!

Cool hingegen der Coyote III vom DFKI. 21.03.2017 vom itbeobachter

Soweit war also irgendwie alles beim Alten geblieben, das letzte spannende Netzwerkgespräch am Mittwoch absolviert und vor der Abreise noch mal kurz kontrolliert ob noch irgend etwas Interessantes gemeldet wurde – Yep es gab etwas Neues, ein neues Konzept für die CeBIT. Gähn! Die Messeleitung hat in den letzten Jahren, eigentlich seit den Boomjahren ständig versucht irgend etwas zu verändern, um die Marginalisierung zu stoppen. Mal mit der Konzentration auf das Business, mal mit Avancen an den Consumer, mal als hippe Veranstaltung (Webciety), dann wieder klassisch, oder – an dieser Stelle setze bitte jede(r )das ein, was gerade einfällt – herausgekommen ist stets dasselbe Ergebnis: der dauerhafte Niedergang und Bedeutungsverlust der CeBIT. Okay, Business as usual, doch stopp was steht da Juni? Steht da wirklich Juni? Nee, da kann gar nicht Juni stehen! Doch, die sprechen wirklich von einer Verlegung in den Juni! Quasi halbe Strecke zwischen Barcelona und Berlin = die letzte Chance. Und dann etwas von Festival, gesellschaftlicher Relevanz, Diskussion, Disruption und Impulsen. Sie wollen moderner, attraktiver werden. Wenn das nicht das übliche Gefasel von Neuorientierung und so weiter ist, die Messeleitung vielleicht einmal einen längeren Atem an den Tag legt, dann, ja dann könnte es gelingen und die Marginalisierung, der Bedeutungsverlust gestoppt werden. Das wäre allenfalls ein erster Schritt, nicht weniger, aber auch nicht mehr als das. Prognose? Ach CeBIT – „Ich weiß es doch auch nicht“!

MINT – es geht aufwärts

Es war bereits einmal Thema in diesem Blog – die MINT-Studienfächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik und ihr leidiger Ruf in Deutschland. Aber zu unserem Glück – die Exportnation ist händeringend auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen – hat sich in den letzten Jahren etwas zum Positiven entwickelt.

Das Werben seitens Politik und Wirtschaft, die Förderprogramme für Frauen, die Wettbewerbe, vielleicht aber auch die weiterhin stark wachsende Bedeutung von IT und Technik im Alltag zeigen deutliche Erfolge: Von ehemals 195.300 Studienanfängern an deutschen Hochschulen im Jahr 2008 auf 347.000 in 2015, ein Anstieg um fast 78 Prozent, und das bei insgesamt 505.910 Studienanfängern Im Studienjahr 2016/2017 (Sommersemester 2016 und Wintersemester 2016/17). Davon sind mittlerweile 32 Prozent Frauen, während es vor drei Jahren nur 26 Prozent waren. In der Mathematik und bei den Naturwissenschaften war die Geschlechterverteilung 2015 bereits mit 48 Prozent weiblichen Studienstarterinnen fast paritätisch. Da möchte man doch glatt mit Begeisterung rufen – weiter so!