Warum setzen CRM-Anbieter eigentlich keine CRM-Systeme ein? Ein Bericht über die Wirren der Software-Auswahl

Die Lektüre der IT-Fachpresse gehört zum beruflichen Alltag bei mir, erst recht, wenn ich – privat oder beruflich – auf der Suche nach neuer Hard- oder Software bin. Dieses Mal betrifft es eine CRM-Lösung. Die momentan im Einsatz befindliche Software deckt weder meinen geänderten, da erweiterten Bedarf ab, noch ist sie vom Handling so richtig bequem und benutzerfreundlich. Also etwas Neues muss her. Was möchte ich, was brauche ich unbedingt, was wäre schön aber nicht notwendig?

Alles kein Problem, schließlich strotzt der Markt ja nur so von Alternativen. Recherche in der Fachpresse, im Netz, auf Messen unter anderem der CeBIT, Gespräche mit Bekannten, anderen Selbstständigen und heraus kam eine Liste mit potenziellen Anbietern, die offensichtlich alle Wünsche abdeckten und auch zukunftssicher erscheinen. Cloud oder inhouse, Preise, Zukunftsfähigkeit alles wird definiert – es kann losgehen. Ach ja und CRM oder xRM ist ja sowieso total wichtig und angesagt und für einen gesteigerten Umsatz aber sowas von notwendig, stand zumindest so oder in ähnlicher Weise in zig Beiträgen.

Also los geht es – das lässt sich ja in einem klar definierten Zeitrahmen durchführen. Dachte ich:

  • Versuch Nummer 1: Kontaktaufnahme auf der CeBIT, interessante und anwenderfreundliche Software, Cloud-fähig, exzellentes Preis- / Leistungsverhältnis – ja klingt gut und sieht auch gut aus. Also Karte übergeben und Kontaktaufnahme durch den Vertrieb vereinbart und dann gewartet und gewartet. Kein Anruf, keine E-Mail, kein irgendwie gearteter Versuch mich doch als Kunden zu gewinnen. Hm, es scheint DAS ist doch keine leistungsfähige CRM-Software!
  • Versuch Nummer 2: Ebenfalls Kontaktaufnahme auf der CeBIT, auch schöne Lösung, auch Cloud-fähig. Und dann folgt im vereinbarten Abstand zur Messe die E-Mail und ein weiterer Austausch. Aber dieser Austausch findet offensichtlich nicht nur mit mir statt. Denn kurze Zeit später erhalte ich nicht nur von diesem Unternehmen einen Newsletter mit Informationen (dem ich zugestimmt habe), sondern auch eines zweiten Unternehmens (nach dem ich nicht gefragt wurde) mit derselben Postanschrift und demselben Geschäftsführer. Da hake ich doch mal nach und frage, wie man an diesen Lead gekommen ist. Dies ist offensichtlich peinlich, denn Antwort bekomme ich keine. Doch Anbieter Nummer 2 meldet sich noch einmal, dem ich ob des Umgangs mit personenbezogenen Daten dankend absage!
  • Versuch Nummer 3: Hm, sah gut aus ist dann aber nach einer „Empfehlung“ eines neuen Lieferanten als Lösung ausgeschieden, da mein Lieferant wegen des Tempos des CRM zu oft flucht!
  • Versuch Nummer 4: Jetzt werde ich im Netz aktiv, lade mir von der Hersteller-Webseite eine Broschüre und einen Entscheidungshelfer herunter, gebe meine Kontaktdaten an und werde innerhalb kürzester Zeit angerufen. Das fängt schon mal gut an. Man tauscht sich aus, am Ende wird dann ein Termin für ein Webinar vereinbart um das Produkt einmal genauer kennenzulernen. Sehr gut – bis hierhin. Als der Termin besprochen werden soll, geht es um den Partner des Herstellers und es taucht das Systemhaus aus Versuch Nummer 2 auf. Unmissverständliche Antwort von mir – jedes Systemhaus ist okay, nur nicht dieses! Und wer ruft am Tag vor dem Webinar an? Man ahnt es schon… Bei der nächsten Kontaktaufnahme durch den Hersteller kann ich nicht ans Telefon, habe selber einen Termin und seitdem herrscht das Schweigen im Walde… Gut, Informationen, Termine oder Aufgaben im CRM einzutragen klappt anscheinend nicht – damit ist auch die Lösung raus.
  • Versuch Nummer 5: Dieses Mal wieder Messe! Sehr gutes Gespräch auf dem Messestand und am Schluss Karte übergeben. Da ich mich vor allem für die Cloud-Lösung und zu einem zentralen Aspekt informiere erhalte ich die Zusage, innerhalb von 4-6 Wochen ruft mich jemand an, der mir genau dazu ausgiebig Auskunft erteilen kann. Kontaktaufnahme ist auch erfolgt, allerdings per E-Mail. Und die Auskunft bestand aus einem Hinweis, ich solle mir doch einmal dies und das bei der Lösung xyz anschauen, das könnte meine Bedürfnisse abdecken?! Ach so, und die E-Mail-Adresse hatte man statt von meiner Visitenkarte aus dem Impressum genommen. Zügige Antwort von meiner Seite, ich sei weiterhin interessiert, aber man habe offensichtlich die falsche E-Mail-Adresse… Vier Wochen später neue E-Mail, wieder an die falsche Adresse! Offensichtlich kann man die Art der Kontaktaufnahme nicht einpflegen und Einträge im CRM-System nicht nachträglich ändern – damit ist auch die Lösung raus.

So und knapp 18 Monate nach dem Start dieses Projekts habe ich andere und deutlich mehr Fragen zum Thema CRM: Ist ein CRM-System wirklich sooo wichtig für das Marketing, dass es diesen Ärger wert ist? Bringt ein CRM-System überhaupt etwas, wenn schon Hersteller oder Systemhäuser entweder damit nicht umgehen können oder wollen? Ab welcher Zahl von Nutzer-Lizenzen wird man ernst genommen, korrekt bearbeitet und behandelt? Ist das alles nur Pech, dummer Zufall oder steckt da doch System dahinter?

Auf eins bin ich aber bereits jetzt gespannt – den nächsten tollen Fachartikel, der mir die Relevanz eines xRM-Systems für den Alltag im Unternehmen und die Bedeutung für den Umsatz beschreibt!

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Ach CeBIT – „Ich weiß es doch auch nicht“!

Wilfried Schmicklers Programm spiegelt wunderbar wieder, wie es mir in den letzten Tagen in Hannover gegangen ist. Ob die Messe ein Erfolg war – „Ich weiß es doch auch nicht“. (Offizielle Pressemitteilungen verkünden da eh immer das Gleiche: Die Messe war ein voller Erfolg!) Einige Aussteller waren begeistert und sprachen bereits am Mittwoch von einem großen Erfolg, einige waren halbwegs zufrieden und einige gar nicht. Das ist aber auf jeder Veranstaltung so, also auch kein Beweis. Schlangen beim Einlass bildeten sich auch wieder, ganz anders als in den letzten Jahren.

Schlangen am Eingang und dies lag nicht nur an den Taschenkontrollen. 21.03.2017 vom itbeobachter

Aber dieses Gefühl der Marginalisierung der Messe stellte sich dennoch ein, dass hier in Hannover gerade etwas ganz, ganz schief läuft. Es war ein diffuses Gefühl unterstützt von den Gesprächen, den Eindrücken und dem teilweisen „weiter so“ der Aussteller. Paradigmatisch kann hierfür die „gute, alte“ Halle 3 stehen, die „Halle der Hölle“ oder im CeBIT-Sprech: Digital Office Area. Das Konzept der meisten Aussteller hat sich in den letzten Jahren jetzt nicht sooo sehr geändert. Alles selbstverständlich total digital, innovativ, irgendwas mit Akten und Archiv und der unheimlich großen Relevanz für JEDES Unternehmen – also exakt das, was ich vor etwa 20 Jahren in Essen auch schon gehört oder gesehen habe. Vorträge und Foren auf denen seit x-Jahren in nicht immer unterschiedlichen Varianten das Gleiche erzählt wurde und man sich gegenseitig versicherte wie relevant das eigene Tun / Geschäftsfeld doch ist. Nur die Realität 2017 spiegelt das jetzt nicht unbedingt wieder. Ich habe beim Rundgang in dieser Halle exakt drei Aussteller gefunden, die da einen anderen und nach meinem Empfinden zeitgemäßeren Ansatz verfolgen, aber das war es auch schon. Diese Konzepte von vorvorgestern sind ein Beispiel dafür, warum die Musik in Sachen IT / Innovation jetzt anderen Orts spielt etwa in Barcelona oder Berlin.

Was man anders machen könnte – „Ich weiß es doch auch nicht“. Dass aber etwas anders laufen muss, das erschien mir klar oder um es mit den Worten von Georg Christoph Lichtenberg zu sagen: ”Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen, es muss anders werden, wenn es gut werden soll.” Denn in den Hallen geisterte der Satz herum: „Das ist das letzte Mal, dass ich auf der CeBIT bin!“ Und dann wurde vom Leder gezogen, dass es eine wahre Pracht war, die fehlende Fokussierung kritisiert, das Festhalten an alten Rollenbildern, das Fehlen von Konzepten wie man Diskussion, Business, Motivation, Coolness … wieder einmal in Hannover versammeln könnte. Ach so und Coolness meint in diesem Falle nicht, das gesamte Standpersonal mit bunten Sneakers etwa in Orange oder Giftgrün auszustatten!

Cool hingegen der Coyote III vom DFKI. 21.03.2017 vom itbeobachter

Soweit war also irgendwie alles beim Alten geblieben, das letzte spannende Netzwerkgespräch am Mittwoch absolviert und vor der Abreise noch mal kurz kontrolliert ob noch irgend etwas Interessantes gemeldet wurde – Yep es gab etwas Neues, ein neues Konzept für die CeBIT. Gähn! Die Messeleitung hat in den letzten Jahren, eigentlich seit den Boomjahren ständig versucht irgend etwas zu verändern, um die Marginalisierung zu stoppen. Mal mit der Konzentration auf das Business, mal mit Avancen an den Consumer, mal als hippe Veranstaltung (Webciety), dann wieder klassisch, oder – an dieser Stelle setze bitte jede(r )das ein, was gerade einfällt – herausgekommen ist stets dasselbe Ergebnis: der dauerhafte Niedergang und Bedeutungsverlust der CeBIT. Okay, Business as usual, doch stopp was steht da Juni? Steht da wirklich Juni? Nee, da kann gar nicht Juni stehen! Doch, die sprechen wirklich von einer Verlegung in den Juni! Quasi halbe Strecke zwischen Barcelona und Berlin = die letzte Chance. Und dann etwas von Festival, gesellschaftlicher Relevanz, Diskussion, Disruption und Impulsen. Sie wollen moderner, attraktiver werden. Wenn das nicht das übliche Gefasel von Neuorientierung und so weiter ist, die Messeleitung vielleicht einmal einen längeren Atem an den Tag legt, dann, ja dann könnte es gelingen und die Marginalisierung, der Bedeutungsverlust gestoppt werden. Das wäre allenfalls ein erster Schritt, nicht weniger, aber auch nicht mehr als das. Prognose? Ach CeBIT – „Ich weiß es doch auch nicht“!

CeBIT-Rückblick II: Spannend und erfolgreich

Ich gebe zu, die CeBIT und ich, das war lange Jahre eine Zwangsehe. Man hat mit IT zu tun und dann muss man im März halt nach Hannover, wenn das Wetter noch kalt und grausig ist. Volle Hallen, kaputte Füße, den Mund fusselig geredet … – das ganze Programm einer großen (Standard-)Messe eben. Mal mit Konsumenten, mal ohne, mal mit dem Konzept, mal mit einem anderen. Doch mittlerweile tut sich etwas bei der CeBIT. Und wenn ich mir jetzt 2015 und 2016 rückblickend betrachte, nicht das Falsche. Es gibt wieder einen klaren Fokus und die Messe gewinnt offensichtlich an Attraktivität. Zumindest die überwiegende Zahl der Aussteller mit denen ich gesprochen habe äußerte sich zufrieden über die Messe und die Qualität von Besuchern und Gesprächen.

Zwar ist noch immer nicht alles Gold was glänzt, aber die Deutsche Messe beschreitet mit der Neupositionierung den richtigen Weg – die CeBIT mehr zu einem Treffpunkt zu machen. Dabei darf ruhig noch stärker der Event-Charakter in den Vordergrund geraten, Barcelona und der Mobile World Congress lassen grüßen. Veranstaltungen wie die Global Conferences, mein persönliches Highlight „SCALE11“ in Halle 11 oder das Bloggertreffen „Rock the Blog“ am Freitag machen den Besuch in Hannover deutlich attraktiver als früher. Ich habe mich das ein oder andere Mal – etwa bei den Podiumveranstaltungen des Campus Mittelstand – dabei ertappt, dass die CeBIT ja richtig Spaß machen kann.

 

CeBIT 2016-Eingang Halle 2

Also Deutsche Messe weiter auf dem eingeschlagenen Weg und konsequente Fortentwicklung des neuen Konzepts, dann strömen vielleicht nicht mehr 800.000 Besucher durch die Hallen, aber die CeBIT gewinnt wieder mehr an Gewicht wird wieder zu einem relevanten Event in der Branche! Und etwas Anstehen beim Einlass ist ja schließlich keine Katstrophe! 🙂

CeBIT-Rückblick I: So wird das Nichts mit der Digitalisierung

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Die zweite CeBIT nach der Neuausrichtung und Nein, es war nicht alles schlecht. Doch dazu werde ich demnächst bloggen. Hier geht es um das, was mich gestört beziehungsweise geärgert hat.

Zuerst einmal der altbekannte Fehler. Ohne den man in Hannover glaubt nicht auskommen zu können: Es war viel zu viel IT für IT-Profis. Buzzword hier, Technik dort und mittendrin das IT-Sprech für „wie wir ihre Prozesse verbessern“. Doch viel wichtiger wäre in diesem Zusammenhang die Verknüpfung von IT und Geschäft. Dafür müsste aber die Ansprache der Kunden und potenziellen Kunden geändert werden und ob das noch mal gelingt? Dass die Digitalisierung kommt – besser bereits läuft – dürfte mittlerweile auch wirklich jedem klar geworden sein. Es bleibt also nur noch die Frage, ob wir (noch) rechtzeitig auf den Zug aufspringen. Und genau das sollte im Mittelpunkt stehen, wie kann Unternehmen ABC von der Digitalisierung profitieren und dann „Butter bei die Fische“. Praktische Beispiele wie sich Dinge im Unternehmen verändern oder verbessern wenn auf die 1 und die 0 gesetzt wird. Wie wäre es mit einer Vorführung bei der etwas gescannt oder fotografiert, unmittelbar an den Lieferanten übermittelt und dort bereits in das benötigte Produkt umgesetzt wird. Könnte man doch mal versuchen! Das sorgt nicht nur für den gewünschten Aha-Effekt, sondern zeigt zugleich auch, dass Digitalisierung etwas ist für das sich Chef-Etage und Mittelstand interessieren sollten.

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Aber oh weh, die Branche glaubt offensichtlich selbst nicht, dass sie das schafft, denn zu den prominenten und gefühlt hundertfachen Ausstellungsstücken zählte das Auto, am liebsten getunt – toll! Da war IBM aber schon fast wieder innovativ, dort griff man auf ein Powerboat als Hingucker zurück. Also wenn die IT selbst nicht an den Erfolg ihrer Produkte, Lösungen oder Dienstleistungen glaubt, warum sollen das Unternehmer, Geschäftsführer oder Vorstände dann machen. Und wenn ich Autos sehen möchte, da gibt es in Frankfurt eine Konkurrenzveranstaltung…

Sich nicht übertölpeln lassen *

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Es gibt viele Gründe nach Nürnberg zu reisen, Geschichte, Dürer, Rostbratwürste oder Lebkuchen zählen dazu. Seit einigen Jahren gibt es im Oktober einen weiteren triftigen Anlass in die Frankenmetropole zu reisen, vor allem dann, wenn die IT-Sicherheit berufliches Standbein ist oder grundsätzliches Interesse an der Sicherheit der eigenen Daten besteht – die it-sa. Entstanden aus der früheren Security Area der Systems fand diese vom 07. bis 09. Oktober zum 6. Mal in Nürnberg statt und hat sich im Laufe der Jahre zu der IT-Fachmesse in Europa entwickelt. Stetiges Wachstum auf Ausstellerseite und der vermieteten Fläche belegen den Erfolg der Veranstaltung. So fanden in 2014 7.400 Fachbesucher und 385 Aussteller aus 21 Ländern den Weg nach Nürnberg – ein dreifaches Plus.

Dass dies im nach-Snowden-Jahr der Fall ist, macht Hoffnung, Hoffnung auf einen dauerhaften Trend hin zu mehr Sicherheit. Denn schließlich ist der Hype raus aus dem Thema und dennoch pilgern mehr und mehr Besucher nach Nürnberg und suchen die Themen und Produkte, die ihre IT sicherer machen. Ausgemachte Trends in diesem Jahr waren Kryptografie und mobile Verschlüsselung, die quasi allgegenwärtig waren. Und noch einen interessanten Fakt gab es zu beobachten, zumindest wurde mir dies von Ausstellern so berichtet: Es waren deutlich mehr Privatpersonen auf der Messe und das obwohl außer einigen Antivirus-Herstellern eher Enterpriseprodukte kennenzulernen waren. Da waren wohl eine Reihe Besucher inkognito vor Ort!

* Nach BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf die Beschreibung für Social Engineering

PS: Nur eines sollte im Jahr 2014 nicht mehr fehlen, ein definierter Hashtag für die Kommunikation über Twitter, denn Interessierte und Aussteller haben gegen Information oder Werbung in sozialen Netzwerken sicherlich keine Einwände! So etwas ist schon peinlich und unprofessionell!

 

Meine CeBIT-Highlights

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Okay, die CeBIT besuche ich zuerst aus beruflichen Gründen, aber dennoch gönne ich mir in den Tagen in Hannover immer auch eine Auszeit und schlendere durch einige Hallen, um mich ganz persönlich über Produkte zu informieren oder im Messe-Gewusel kleine Perlen zu entdecken. In diesem Jahr habe ich dabei insgesamt drei subjektive Highlights gefunden, ein Vortrag und zwei Startups:

Der Vortrag der mediaTest digital GmbH beschäftigte sich mit dem Thema ”Gefährliche Apps”. Nun fallen einem dabei in der Regel direkt die üblichen Verdächtigen ein wie etwa Whatsapp & Co., aber diese standen gar nicht im Fokus des Vortrages. Vielmehr ging es um die Beurteilung beliebter oder nützlicher Apps. Am Beispiel von Shazam, Quizduell, Eurosport, Wall Street Journal oder Hotel.de wurden die Gefahren / Risiken für Unternehmen verdeutlicht. So werden etwa von Shazam, getestet in der iOS-Version, Geräte-IDs wie die Seriennummer der Netzwerkkarte (IMEI) und die MAC-Adresse an Dritte übertragen. Zudem wird der Standort des Gerätes teilweise im 3-Sekunden-Rhtyhmus an Shazam übermittelt. Vielleicht hat ja jemand eine Idee, warum eine Musikerkennungssoftware den Zugriff auf Geodaten benötigt, mir jedenfalls fällt dazu keine zitierfähige Erklärung ein! Aber auch Quizduell, getestet in der Android-Version, überträgt munter Hashwerte, eine verschleierte Form der IMEI-Adresse und weitere eindeutige IDs inklusive Benutzernamen unverschlüsselt an ein Werbe-Netzwerk. Die eindeutige Identifizierung des Anwenders ist damit ein Kinderspiel. Und wer bei Eurosport Kommentare abgeben möchte, steht vor der schönen Erfahrung, dass Benutzernamen und Passwörter unverschlüsselt übermittelt werden – ein gefundenes Fressen für Angreifer. Hotel.de (iOS-Version) überträgt hingegen unverschlüsselt alle Buchungsdetails. Vom Einsatz der Wall Street Journal App (Test der Android-Version) kann nur abgeraten werden, denn hier erfolgt die unverschlüsselte Weitergabe von IMEI und die Android ID an ein Werbe-Netzwerk! Leichter kann es Angreifern nicht gemacht werden! Und der Wettbewerb ist sicher interessiert, wenn beispielsweise Vertriebsmitarbeiter eindeutig erkannt und deren Bewegungsprotokolle verfolgt werden können.

Zu den Unternehmens-Perlen gehörte das Münchener Unternehmen Stackfield GmbH. Stackfield ermöglicht die Verwaltung von Aufgaben und Projekten im Browser, unter einer übersichtlichen und schnellen Oberfläche. Aus Sicht der IT-Security ist dabei die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von besonderer Bedeutung. Denn alle Informationen werden direkt auf dem Gerät des Nutzers ver- und erst beim Empfänger wieder entschlüsselt. Die Server stehen in Deutschland, an ein weiteres Rechenzentrum zur zusätzlichen Sicherung ist nach Aussage des Geschäftsführers gedacht. Besonders hat mir der modulare Aufbau der Software gefallen. So kann jedes Unternehmen sich genau die Teile aus einem Pool heraussuchen die es benötigt. Statt teurer Gesamtpakete exakt den eigenen Bedarf abdecken – sicher, individuell und auch noch kostengünstig, charmanter geht es für KMU kaum! Und die E-Mail-Flut wird auch reduziert, denn ein Projekt ist gleichzeitig ein Kommunikationsraum!

Mein zweites Unternehmens-Highlight ist die Kölner pixolus GmbH, deren Gründer Mitarbeiter des Fraunhofer Institutes waren. Pixolus stellte eine Software zur mobilen visuellen Erfassung von Daten via Smartphone vor, eine einfache und geniale Lösung. Einsatzmöglichkeiten wurden am Stand demonstriert etwa beim Ablesen von Strom-, Gas- oder Wasserzählern. Dabei können die erhobenen Daten sofern ein Netz zur Übertragung vorhanden ist direkt, zeitversetzt bei der Einwahl in ein Netz oder gesammelt zu einem festgelegten Zeitpunkt übermittelt werden. Das Fehler-behaftete und aufwändige Abtippen von Daten entfällt. Die Installation auf gängigen Smartphone und Tablets oder branchenspezifischen MDE-Geräten genügt und schon kann der mobile Scanner eingesetzt werden.

Zwei Lösungen, die durch ihre Einfachheit bestechen und die Arbeit von Unternehmen vereinfachen. Ich bin gespannt darauf, wie sich Stackfield und pixolus in der nächsten Zeit schlagen werden und was sie im nächsten Jahr auf der CeBIT zu berichten haben!

Die CeBIT und die Welt der Traktoren

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100 % Business – so lautete die Formel für Hannover in 2014 und ob es eine erfolgreiche Messe gewesen ist, das zeigt wohl erst die Zukunft. Spätestens bei den Anmeldungen für 2015 ist nämlich erkennbar, ob die Aussteller dem Konzept auch weiterhin folgen wollen. Gut, die Messeleitung veröffentlichte natürlich bereits heute, am letzten Messetag, die üblichen (Erfolgs-) Zahlen: So sollen 25 Mrd. Euro (Bestwert für Hannover) konkrete IT-Investitionen von den 92 % Fachbesuchern angeschoben worden sein. Mit 210.000 Besuchern, davon ein Viertel aus dem Ausland, habe man das angestrebte Ziel zu 90 % erreicht. Wie bereits früher angemerkt – Business as usual in der Messebranche.

Aber so rosig war zumindest nicht alles. Weniger Aussteller, weniger Besucher, Gänge in Straßenbreite und Hallenplatzierungen, deren Logik nicht nachvollziehbar war. So bekam ich bei meinem ersten Besuch in Halle 12, Thema IT-Security, einen echten Schock und kontrollierte zuerst, ob ich versehentlich die falsche Messe aufgesucht hatte. Ich stand nämlich vor mehreren riesigen Maschinen des Herstellers von Landtechnik Claas. Zugegeben, ein imposanter Anblick und technisch sicherlich interessant. Doch welcher Grund – außer dem die leere Halle zu füllen – spricht eigentlich dafür Traktoren & Co. den Fachbesuchern einer IT-Messe zu präsentieren? Dass Aussteller dies gar nicht lustig fanden und sich verar… vorkamen nicht ernst genommen sahen, habe ich dann in Gesprächen feststellen dürfen. Wenn Oliver Frese nächstes Jahr einen weiteren Rückgang bei den Ausstellerzahlen in Halle 12 zu verzeichnen haben sollte, könnte es daran liegen, dass diese Aussteller ein Langzeitgedächtnis haben!

Und was die Besucher angeht, so fiel auch in diesem Jahr die große Zahl an Fachbesuchern auf, die zwischen 16 und 18 Jahren alt war. Dagegen ist nichts einzuwenden, denn das sind die Fachkräfte der Zukunft und in Zeiten von BYOD ist der Einfluss des Anwenders auf die betriebliche IT auch enorm. Aber geplant und gewollt ist das eben auch nicht und damit schönen sie eigentlich nur die Bilanz. Denn zieht man sie von der Zahl der Gesamtbesucher ab, dann haben nur rund 194.000 Fachbesucher die Messe besucht und statt 90 Prozent stehen dann 84 Prozent bei der angestrebten Zahl an Fachbesuchern. Aber wie bereits gesagt, einen Erfolg verzeichnet die Messe ja eigentlich in jedem Jahr!