Der Gottseibeiuns Regierungssprecher Seibert

Steffen Seibert

Heute war er da, der Hilferuf des DJV. Für die Uneingeweihten unter den Lesern, es handelt sich dabei um den Deutschen Journalistenverband, also quasi die Gralshüter der Neuigkeiten. Und diese enttarnen den Gottseibeiuns, es ist dieser Regierungssprecher da in Berlin! Denn der verteilt Neuigkeiten, was ja an und für sich gar nicht so Übles ist aber – er macht das an Ihnen vorbei, über dieses Facebook:

Offenbar verbreitet Seibert über den Facebook-Account Bilder und Nachrichten, die er den Medien verwehrt. Das muss sich schnellstens ändern, denn der Mann ist nicht nur PR-Manager, sondern auch der oberste Informationsvermittler der Bundesregierung.“

Also alles was Recht ist, aber so geht das nicht! Es gibt diese Veranstaltung namens Bundespressekonferenz, es gibt das gute alte Telefon, das etwas modernere Fax und ja die E-Mail geht auch noch. Aber alles andere ist Teufelszeug und gehört verdammt! Denn die Journalisten kennen entweder dieses Facebook noch gar nicht oder aber ihnen ist es offensichtlich verboten sich dort zu bewegen! Und daher Herr Seibert, raus aus diesem Facebook, ran an die Schreibmaschine, Pressemitteilung tippen, fotokopieren und dann nichts wie ab mit den hoffentlich getackerten Seiten in die Poststelle!

PS: Es gibt aber auch Verbandsmitglieder denen bei solchen Aussagen nur die Verzweiflung bleibt.

Einfach nur daneben: Reinhard Müller und die FAZ

Also ich – und ich bin da nicht alleine – verstehe die Strafanzeige wegen #Landesverrats gegen netzpolitik.org als Angriff auf die Pressefreiheit. Das kann man so sehen, muss man aber auch nicht. Und Solidarität muss dann eben auch nicht sein, wenn man anderer Ansicht ist. Diese Haltung erscheint mir, gerade von einem Journalisten, zwar als gelinde gesagt etwas realitätsfremd, aber kann man halt machen.

Was jedoch gar nicht geht ist dann wie Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung versuchen, die Angegriffenen zu diskreditieren und dafür den Begriff „Blogwart“ verwenden. Die Analogie, die gewollt oder ungewollt – und so naiv sind wohl nur die wenigsten Leser – hergestellt werden soll ist die zum „Blockwart“. Das ist nicht originell, das ist nicht lustig, das ist einfach nur stillos und infam!

AnMaaßend

Auch nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist diese Mischung aus Wut, Ärger, Ungläubigkeit, Überraschung, Trauer… immer noch nicht verschwunden! In Deutschland im Jahre 2015 greifen Vertreter staatlicher Behörden gegenüber Journalisten zum Mittel der Einschüchterung: Hans-Georg Maaßen, Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, hat gegen Markus Beckedahl und Andre Meister Strafanzeige gestellt. Und Generalbundesanwalt Harald Range eröffnet zügig ein Ermittlungsverfahren, wegen Landesverrats! Landesverrat und Journalisten, da war doch mal was. Richtig aus Erzählungen kenne ich das noch, es war im Jahre 1962 als sich ein „Abgrund an Landesverrat“ auftat und zwar beim „SPIEGEL“. Aus dieser Geschichte wurde dann schnell eine Affäre mit entsprechenden Konsequenzen unter anderem für den Verteidigungsminister Herrn Strauß.

Um eines vorweg festzustellen: Herr Maaßen hat als Privatperson selbstverständlich das Recht Strafanzeige zu erstatten wenn er den Verdacht hat, dass jemand gegen das Gesetz verstoßen hat. Aber und hier fängt der Fisch zu stinken an, Herr Maaßen ist eben keine rein private Person! Als Leiter des Verfassungsschutzes ist er eine Person des öffentlichen Interesses und Amtsträger einer Behörde, die gerade unter besonderer Beobachtung steht. Konkret geht es um Veröffentlichungen zur Internetüberwachung durch den BfV: Wer also 1 und 1 addieren kann, dem drängt sich ein ganz logischer Schluss auf: Es geht hier gar nicht um Geheimnis- oder gar Landesverrat, es geht Herrn Maaßen und dem Generalbundesanwalt Harald Range um die Einschüchterung von Journalisten. Mit einem ganz klaren Signal: Wir haben Euch im Blick und wenn Ihr uns zu sehr auf die Finger schaut, dann geht es Euch an den Kragen!

Man muss sich den Zusammenhang noch einmal vor Augen führen. Da beobachtet der amerikanische Geheimdienst NSA so ziemlich alles und jeden (aktuell kommt die Meldung, dass auch Japan überwacht wurde), spioniert deutsche Behörden, Ämter und Spitzenpolitiker aus, die daher bei Auslandsreisen unter anderem in die USA neue Mobiltelefone einsetzen die bei der Rückkehr vernichtet werden und unternommen wird Nichts. Herr Range begründet dies mit der Tatsache, er habe keine gerichtsfesten Beweise. Und um dem Fass noch die Krone aufzusetzen, kooperiert eine andere Behörde, der BND, mit der NSA und greift helfend unter die Arme – Stichwort Selektorenliste. Aber gegen Journalisten, die über diesen Themenkomplex berichten werden Gegenmaßnahmen eingeleitet und dazu greift man zu einer ganz, ganz dicken Keule, dem Vorwurf Landesverrat.

Und das politische Berlin schweigt. Wenn es um die Theorie geht, dann sind wir stark, sehr stark engagiert, zumindest in Reden. Wenn es aber um die Verteidigung der Verfassung und eines der maßgeblichen Rechte, dem Recht der Pressefreiheit geht (Art. 5 Grundgesetz), dann ist Schweigen im Walde. Wer ist denn so naiv zu glauben, die Anzeige sei ohne Kenntnis / Rückendeckung des für das BfV zuständigen Innenministeriums erfolgt? Ich jedenfalls nicht und ich stehe damit sicherlich nicht allein! Also Frau Bundeskanzler und der zuständige Herr Innenminister hier drängt sich dann doch ein noch ungeheuerlicher Verdacht auf!

Es sind eben doch soziale Netzwerke

Wahrscheinlich kennt jeder, der sich in den sozialen Netzwerken „bewegt“ diese offenen oder versteckten Vorwürfe: „Das ist ja alles schön und gut, aber…“ „Das sind doch gar keine richtigen (echten) Freunde!“ „Das ist doch nur Selbstdarstellung und hat mit sozial gar nichts zu tun.“ Die Liste ist beliebig verlängerbar, ihr kennt das wahrscheinlich!

Tja und auch wenn man es selbst anders sieht oder gar bereits erlebt hat, irgendwie fällt es einem manchmal schwer dagegen zu argumentieren und ein passendes Beispiel zu nennen, dass soziale Netzwerke auch sozial sind. So zumindest ist es mir bisher immer ergangen – bis heute jedenfalls. Denn da bin ich über Johannes Korten auf die Geschichte von Kai-Eric Fitzner gestoßen. So traurig die Geschichte bis jetzt ist, sie zeigt aber auch, dass dieses Netz eben doch sozial ist! Johannes hat direkt reagiert und Hilfe angeleiert. Zum einen via Twitter und den Hashtag #einBuchfuerKai, zum anderen über eine Schenkungsinitiative. Das hilft zwar nicht den Schmerz der Familie zu lindern, nimmt aber vielleicht etwas Druck aus dem Kessel was die materielle Situation anbelangt. Denn ohne die Einkünfte des selbstständigen Ehemanns / Vaters sieht es sehr, sehr düster aus. Und das Tröstliche ist, es klappt und der Aufruf, das Buch von Kai-Eric Fitzner zu kaufen zeigt Wirkung: Aktuell steht der neun Jahre alte Roman auf Platz 1 der Amazon-Bestsellerliste!

Daher mein Appell: Schließt Euch an, kauft das Buch oder schenkt etwas oder macht beides! Und Daumen drücken für Kai, er kann es vor allem anderen gebrauchen!

Verlust

Gerade erreichte mich über Twitter die Nachricht, dass heute am 13. April 2015, Günter Grass gestorben ist. Das ist ein immenser Verlust für das literarische Deutschland! Und auch mich persönlich trifft diese Meldung so sehr, dass ich direkt alles stehen-und-liegen-lassen-musste, um diesen Text zu verfassen.

Günter Grass hat es mir nie leicht gemacht! Es gab und gibt Autoren, zu denen ich sofort Zugang gefunden habe beziehungsweise finde. Das trifft selbstverständlich in besonderer Weise auf meine literarischen Lieblinge zu wie Theodor Fontane – um nur das prägnanteste Beispiel zu nennen. Bei Grass war das vom Start weg anders. Ich habe mich sehr schwer mit ihm und seinen Büchern getan, die Lektüre unterbrochen, zum Teil abgebrochen, neu gestartet, wieder abgebrochen bis ich „Die Blechtrommel“ dann doch in einem Rutsch verschlungen habe. Und auch später waren seine Texte immer eine – im positiven Sinne – Zumutung für mich. Seine Romane und Erzählungen haben mich stets und sehr unmittelbar in eine Auseinandersetzung mit mir, meinen Erfahrungen, meinen Gedanken etc. geführt und werden dies auch hoffentlich in Zukunft weiter machen. Aber mit jedem weiteren Text wurde unsere Bindung immer enger, das „Vergnügen“ größer, die Vorfreude intensiver so dass ich ihn mittlerweile mit Fug und Recht neben Fontane zu meinen absoluten Favoriten zähle.

Danke Günter Grass!

Barcamps lohnen sich immer

Logo Barcamp DUS

Letztes Wochenende war es mal wieder soweit, ein weiteres Barcamp stand an – dieses Mal in Düsseldorf. Vielen im Bekanntenkreis denen ich vorher oder nachher davon erzählte, entweder mit Vorfreude vor- oder Begeisterung nachher, musste ich erst einmal erläutern, was ein Barcamp ist. Das ist zwar theoretisch möglich, aber…eigentlich dann eben doch nicht. Denn Barcamps kann man zwar erklären, aber was sie wirklich ausmacht, das muss man erleben.

Created with Nokia Smart Cam

Das hat sich auch in Düsseldorf wieder einmal erwiesen. Ich habe zwar erneut nur am ersten Tag dabei sein können, doch allein das hat sich alle mal gelohnt. Eine klasse Location – wie beim ersten Düsseldorfer Barcamp wieder bei der RP Online – und viele tolle Sessions. Natürlich hätte ich gerne viel mehr besucht aber das heißt eben auch Barcamp, die Qual der Wahl haben. Ich habe mich dann für die Verschönerung von Porträt-Fotos mit Dennis Knake entschieden, mit Mike Schnoor zum Verhältnis von Wikipedia und PR diskutiert und über Journalisten, Influencer, Content und Kommunikation gesprochen, von Stefan Evertz etwas darüber gelernt wie ich mir meine Filterbubble erstelle – also das finde was mich interessiert – und mich bei Stefan Balazs über den Mehrwert von Yammer ausgetauscht! Und zwischendurch das zweite Highlight eines Barcamps genossen, die Gespräche! Da lernt man digitale Bekannte analog kennen, tauscht sich mit „Wildfremden“ über gemeinsame Interessen / Themen aus und schließt in angenehmer Art und Weise neue Bekanntschaften.

Der besondere Dank gilt den Organisatoren @hirnrinde, @textaufgabe und ihrem Team, die so etwas ermöglichen. Das Catering war wieder klasse. In diesem Zusammenhang muss auch von einem bemerkenswerten Floh gesprochen werden, dem Curry-Floh, der wieder den halben Tag alle Teilnehmer mit leckerer Wurst und Curry-Sauce mit unterschiedlichem „Härtegrad“ versorgte. Und ohne die Sponsoren ist ein Barcamp auch nicht zu stemmen. Dafür ein herzliches Dankeschön an RP Online, die Signal Iduna Gruppe, Media Injection, die circ IT GmbH & Co.KG, die Rheinschafe GmbH und den BVCM!

So richtig abgerundet wird so ein Barcamp-Tag aber erst dann, wenn man einen Platz beim Whiskytasting von @CarmenHi und Mike Schnoor erwischt. Das habe ich auch dieses Mal geschafft und genossen, aber Dank GDL war es wieder nur passiv, denn die Anreise mit dem Auto war Pflicht! Hoffentlich klappt es dann beim nächsten Barcamp mal so richtig! Ist eben ein weiterer wichtiger Grund Barcamps zu besuchen! 🙂

Das Jammern der Verlage Teil II oder Narretei im 21.Jahrhundert

Wie berichtet haben sich die tapferen, deutschen Helden der Verlagsbranche zusammen getan und sind in den gemeinsamen Kampf gegen das Böse gezogen. Das lauert – gut informierte Kreise überrascht das nicht – in Mountain View und hört auf den Namen Google. Diese moderne Form einer Tafelrunde (alles darunter wäre eine Beleidigung für die stolzen Recken) startete dann unter Federführung des Ritters Christoph – vormals bürgerlich unter dem Nachnamen Keese bekannt – die Suche nach Vasallen, Knappen und Bündnispartnern und fand sie in Berlin. Dort gab es eine Werkstatt, die in der Lage war, die besten und schärfsten Waffen zu schmieden. Man bediente sich dieses alten Handwerks und erhielt eine vollkommen neue Waffe genannt Leistungsschutzrecht.

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Aber ach welch Gram, das Böse reagierte gar nicht so wie man es sich erhofft hatte und kapitulierte einfach nicht. Nein, oh Schreck es wollte und wollte nicht zahlen, sondern welch schlimmer und heimtückischer Schachzug, man ignorierte dieses Fähnlein der Aufrechten. Da stand nun die VG Media in all ihrer Pracht – hier könnte man auch mit Fug und Recht den Ausdruck Blamage verwenden – und wusste nicht ein noch aus. Der Traffic auf den eigenen Seiten, den das Böse dorthin brachte und die damit verbundenen Einnahmen waren attraktiv und jetzt, jetzt war guter Rat teuer. Dann muss man eben doch kooperieren zumindest so lange, bis ein neuer Schlachtplan entwickelt worden ist oder neue Verbündete gefunden werden. Zumindest das ist eher schwierig, das Bundeskartellamt hat bereits abgewunken.

Also kreißte der Berg erneut und gebar eine Maus. Google darf aufgrund des weisen Beschlusses der Ritterschar ab sofort aber nicht auf ewig weiterhin Snippets und Thumbnails anzeigen. Das Ganze nennt sich in schönstem Behördendeutsch „widerrufliche Gratiseinwilligung“ und zeigt auf überaus deutliche Art, das LSR ist komplett gescheitert. Derweil leckt Ritter Christoph seine Wunden und schweigt!

Jeder mit einem gesunden Menschenverstand versehene Beobachter dieser Ereignisse konnte wohl voraussehen, dass das mit dem LSR, nie und nimmer funktionieren kann. Google schickt Besucher auf die Webseiten der Verlage und für diese von Google erbrachte Dienstleistung soll Mountain View zahlen? Wenn nur die Hälfte der Energie, die in die ganze Lobbyarbeit geflossen ist, darauf verwendet worden wäre sich auf die Suche nach einem nachhaltigen Geschäft im Digitalen zu machen und wie man Google dafür nutzen kann. Ja dann wäre den Verlagen sicherlich mehr geholfen.

Etwas Gutes hätte das alles jedoch. Das setzt aber voraus, dass die Politik ihre Lehren aus dieser Geschichte zieht. Denn nach meinem persönlichen Empfinden ist dies ein extrem übles Beispiel für Lobbyismus, die Blamage des Gestzgebers inklusive. Und wenn das zur Folge hätte, das Lobbyisten in Berlin weniger Gehör fänden, ja dann… Ach ja, man wird ja wohl noch träumen dürfen!