CeBIT-Rückblick II: Spannend und erfolgreich

Ich gebe zu, die CeBIT und ich, das war lange Jahre eine Zwangsehe. Man hat mit IT zu tun und dann muss man im März halt nach Hannover, wenn das Wetter noch kalt und grausig ist. Volle Hallen, kaputte Füße, den Mund fusselig geredet … – das ganze Programm einer großen (Standard-)Messe eben. Mal mit Konsumenten, mal ohne, mal mit dem Konzept, mal mit einem anderen. Doch mittlerweile tut sich etwas bei der CeBIT. Und wenn ich mir jetzt 2015 und 2016 rückblickend betrachte, nicht das Falsche. Es gibt wieder einen klaren Fokus und die Messe gewinnt offensichtlich an Attraktivität. Zumindest die überwiegende Zahl der Aussteller mit denen ich gesprochen habe äußerte sich zufrieden über die Messe und die Qualität von Besuchern und Gesprächen.

Zwar ist noch immer nicht alles Gold was glänzt, aber die Deutsche Messe beschreitet mit der Neupositionierung den richtigen Weg – die CeBIT mehr zu einem Treffpunkt zu machen. Dabei darf ruhig noch stärker der Event-Charakter in den Vordergrund geraten, Barcelona und der Mobile World Congress lassen grüßen. Veranstaltungen wie die Global Conferences, mein persönliches Highlight „SCALE11“ in Halle 11 oder das Bloggertreffen „Rock the Blog“ am Freitag machen den Besuch in Hannover deutlich attraktiver als früher. Ich habe mich das ein oder andere Mal – etwa bei den Podiumveranstaltungen des Campus Mittelstand – dabei ertappt, dass die CeBIT ja richtig Spaß machen kann.

 

CeBIT 2016-Eingang Halle 2

Also Deutsche Messe weiter auf dem eingeschlagenen Weg und konsequente Fortentwicklung des neuen Konzepts, dann strömen vielleicht nicht mehr 800.000 Besucher durch die Hallen, aber die CeBIT gewinnt wieder mehr an Gewicht wird wieder zu einem relevanten Event in der Branche! Und etwas Anstehen beim Einlass ist ja schließlich keine Katstrophe! 🙂

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Panama Papers oder Big Data einmal anders

Was gestern ans Licht gekommen ist darf wohl mit Fug und Recht als sensationell bezeichnet werden, die Panama Papers werden uns in vielfacher Hinsicht noch eine ganze Weile beschäftigen. Und eine Beurteilung – ohne definitiven Nachweis wohl besser Vorverurteilung – kann und darf daher nicht erfolgen, aber interessant und wichtig ist das Ereignis schon und zwar aus verschiedenen Gründen:

1. Der Aufwand war enorm: Über das International Consortium for Investigative Journalists  (ICIJ) waren mehr als 400 Journalisten aus 80 Ländern von über 100 Medienorganisationen mehr als 12 Monate mit und an der Recherche beteiligt und Nichts ist vorab an die Öffentlichkeit geraten! Eine Meisterleistung! Wenn ich nur daran denke wie oft allein bei mir irgend ein (vermeintlicher) Leak zu irgend einem neuen Smartphone auftaucht…

2. Das Thema Big Data beschäftigt seit geraumer Zeit Politik, Unternehmen oder die Öffentlichkeit. Wer greift welche Daten ab? Was kann / will er damit erreichen? Wie gläsern werden wir dadurch?… Dabei schwingt oftmals auch der Vorwurf mit, dass mit unseren Daten Schindluder betrieben wird, um möglichst viel Profit machen zu können. Und jetzt, rollen 2,6 Terabyte an Daten in Richtung Politik und Wirtschaft, jetzt müssen sich deren Entscheider Sorgen um die Sicherheit ihrer Daten machen! Vielleicht verändert dies in Zukunft die Diskussion über das Thema Datenschutz und Datensicherheit?

3. Der Investigative Journalismus hat sich glänzend zurück gemeldet. Über den Wert und die Qualität journalistischer Arbeit wird ebenfalls seit Jahren gestritten und es ist mittlerweile schon normal geworden über die Journalisten / die Medien den Stab zu brechen. Doch was Journalismus kann, was er leistet und welche Bedeutung er für unsere Gesellschaft immer noch besitzt, dies ist gestern wohl mehr als deutlich geworden.

Die nächsten Wochen und Monate werden spannend in vielerlei Hinsicht!

CeBIT-Rückblick I: So wird das Nichts mit der Digitalisierung

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Die zweite CeBIT nach der Neuausrichtung und Nein, es war nicht alles schlecht. Doch dazu werde ich demnächst bloggen. Hier geht es um das, was mich gestört beziehungsweise geärgert hat.

Zuerst einmal der altbekannte Fehler. Ohne den man in Hannover glaubt nicht auskommen zu können: Es war viel zu viel IT für IT-Profis. Buzzword hier, Technik dort und mittendrin das IT-Sprech für „wie wir ihre Prozesse verbessern“. Doch viel wichtiger wäre in diesem Zusammenhang die Verknüpfung von IT und Geschäft. Dafür müsste aber die Ansprache der Kunden und potenziellen Kunden geändert werden und ob das noch mal gelingt? Dass die Digitalisierung kommt – besser bereits läuft – dürfte mittlerweile auch wirklich jedem klar geworden sein. Es bleibt also nur noch die Frage, ob wir (noch) rechtzeitig auf den Zug aufspringen. Und genau das sollte im Mittelpunkt stehen, wie kann Unternehmen ABC von der Digitalisierung profitieren und dann „Butter bei die Fische“. Praktische Beispiele wie sich Dinge im Unternehmen verändern oder verbessern wenn auf die 1 und die 0 gesetzt wird. Wie wäre es mit einer Vorführung bei der etwas gescannt oder fotografiert, unmittelbar an den Lieferanten übermittelt und dort bereits in das benötigte Produkt umgesetzt wird. Könnte man doch mal versuchen! Das sorgt nicht nur für den gewünschten Aha-Effekt, sondern zeigt zugleich auch, dass Digitalisierung etwas ist für das sich Chef-Etage und Mittelstand interessieren sollten.

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Aber oh weh, die Branche glaubt offensichtlich selbst nicht, dass sie das schafft, denn zu den prominenten und gefühlt hundertfachen Ausstellungsstücken zählte das Auto, am liebsten getunt – toll! Da war IBM aber schon fast wieder innovativ, dort griff man auf ein Powerboat als Hingucker zurück. Also wenn die IT selbst nicht an den Erfolg ihrer Produkte, Lösungen oder Dienstleistungen glaubt, warum sollen das Unternehmer, Geschäftsführer oder Vorstände dann machen. Und wenn ich Autos sehen möchte, da gibt es in Frankfurt eine Konkurrenzveranstaltung…

Umgekehrt wird ein Schuh daraus oder Verzicht auf den Verzicht

 

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Initiiert wurde dieser Beitrag für die Sage-Blogparade “Welche Opfer bringen sie für ihren Unternehmenserfolg?“ durch ein Gespräch mit @RainerDownar auf Twitter. Ausgangspunkt war sein Hinweis „So sehr man seine Arbeit oder sein Geschäft auch liebt, man sollte sich dennoch Auszeiten schaffen.“

Mein spontaner Gedanke hierzu lautete: Umgekehrt wird ein Schuh daraus – nur wer sich Auszeiten verschafft, wird langfristig erfolgreich sein! Denn auch wenn ich meiner Arbeit mit Begeisterung nachgehe und mein Geschäft wirklich mit Passion betreibe, meinen Akku muss ich regelmäßig neu aufladen. Selbstverständlich kenne auch ich wie wohl jede/r Selbstständige/r zeitkritische Situationen, dass der Feierabend nach hinten verlegt werden muss, der private Termin kurzfristig abgesagt werden muss oder das Wochenende, das komplett mit Arbeit belegt ist. Das sind und sollten aber Ausnahmen bleiben – denn so wie wir sprichwörtlich nicht vom Brot alleine leben, bin ich eben nicht nur Selbstständiger, sondern eben auch Ehemann, Vater, Freund, soziales Wesen.

Der Wert dieser sozialen Bindungen für uns persönlich, erschließt sich sicherlich von selbst. Was dabei oftmals unbeachtet bleibt ist jedoch, dass Pausen vom Arbeitsalltag keine unproduktiven Zeiten sind. Wir tanken neue Energie, gewinnen etwa neue Eindrücke und Erkenntnisse aus Gesprächen oder dem Besuch in Theater, Museum oder einem Konzert, treiben Sport, lassen unseren Gedanken freien Lauf und verändern bewusst oder unbewusst unseren Blickwinkel auf „Probleme“ des Berufsalltags.

Bei mir persönlich ist es der regelmäßige Spaziergang mit unserem Hund, der mir so manches Mal dabei geholfen hat, Abstand von Aufgaben zu gewinnen und einen neuen Denkansatz zu finden. Gerade wenn es zeitkritisch wird oder strategische Überlegungen einmal stocken, greife ich gerne und bewusst auf dieses mittlerweile bewährte „Hilfsmittel“ zurück. Denn meine Rückkehr an den Arbeitsplatz nach dieser Auszeit gehört in der Regel zu den produktivsten Phasen des Arbeitstages. Der Kopf ist frei geworden und das, was vorher wie ein großer Felsbrocken auf dem Weg aussah, entpuppt sich danach zwar immer noch als Hindernis, aber als ein Hindernis, das jedenfalls leichter beiseite geräumt werden kann als vorher gedacht!

Auszeiten sind für mich also kein Luxus sondern über das Privatleben hinaus auch für meine beruflichen Aktivitäten hilfreich – wenn es also möglich ist, verzichte ich auf den Verzicht, das Privat- und das Berufsleben dankt es mir!

Der Gottseibeiuns Regierungssprecher Seibert

Steffen Seibert

Heute war er da, der Hilferuf des DJV. Für die Uneingeweihten unter den Lesern, es handelt sich dabei um den Deutschen Journalistenverband, also quasi die Gralshüter der Neuigkeiten. Und diese enttarnen den Gottseibeiuns, es ist dieser Regierungssprecher da in Berlin! Denn der verteilt Neuigkeiten, was ja an und für sich gar nicht so Übles ist aber – er macht das an Ihnen vorbei, über dieses Facebook:

Offenbar verbreitet Seibert über den Facebook-Account Bilder und Nachrichten, die er den Medien verwehrt. Das muss sich schnellstens ändern, denn der Mann ist nicht nur PR-Manager, sondern auch der oberste Informationsvermittler der Bundesregierung.“

Also alles was Recht ist, aber so geht das nicht! Es gibt diese Veranstaltung namens Bundespressekonferenz, es gibt das gute alte Telefon, das etwas modernere Fax und ja die E-Mail geht auch noch. Aber alles andere ist Teufelszeug und gehört verdammt! Denn die Journalisten kennen entweder dieses Facebook noch gar nicht oder aber ihnen ist es offensichtlich verboten sich dort zu bewegen! Und daher Herr Seibert, raus aus diesem Facebook, ran an die Schreibmaschine, Pressemitteilung tippen, fotokopieren und dann nichts wie ab mit den hoffentlich getackerten Seiten in die Poststelle!

PS: Es gibt aber auch Verbandsmitglieder denen bei solchen Aussagen nur die Verzweiflung bleibt.

Einfach nur daneben: Reinhard Müller und die FAZ

Also ich – und ich bin da nicht alleine – verstehe die Strafanzeige wegen #Landesverrats gegen netzpolitik.org als Angriff auf die Pressefreiheit. Das kann man so sehen, muss man aber auch nicht. Und Solidarität muss dann eben auch nicht sein, wenn man anderer Ansicht ist. Diese Haltung erscheint mir, gerade von einem Journalisten, zwar als gelinde gesagt etwas realitätsfremd, aber kann man halt machen.

Was jedoch gar nicht geht ist dann wie Reinhard Müller von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung versuchen, die Angegriffenen zu diskreditieren und dafür den Begriff „Blogwart“ verwenden. Die Analogie, die gewollt oder ungewollt – und so naiv sind wohl nur die wenigsten Leser – hergestellt werden soll ist die zum „Blockwart“. Das ist nicht originell, das ist nicht lustig, das ist einfach nur stillos und infam!

AnMaaßend

Auch nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, ist diese Mischung aus Wut, Ärger, Ungläubigkeit, Überraschung, Trauer… immer noch nicht verschwunden! In Deutschland im Jahre 2015 greifen Vertreter staatlicher Behörden gegenüber Journalisten zum Mittel der Einschüchterung: Hans-Georg Maaßen, Leiter des Bundesamtes für Verfassungsschutz, hat gegen Markus Beckedahl und Andre Meister Strafanzeige gestellt. Und Generalbundesanwalt Harald Range eröffnet zügig ein Ermittlungsverfahren, wegen Landesverrats! Landesverrat und Journalisten, da war doch mal was. Richtig aus Erzählungen kenne ich das noch, es war im Jahre 1962 als sich ein „Abgrund an Landesverrat“ auftat und zwar beim „SPIEGEL“. Aus dieser Geschichte wurde dann schnell eine Affäre mit entsprechenden Konsequenzen unter anderem für den Verteidigungsminister Herrn Strauß.

Um eines vorweg festzustellen: Herr Maaßen hat als Privatperson selbstverständlich das Recht Strafanzeige zu erstatten wenn er den Verdacht hat, dass jemand gegen das Gesetz verstoßen hat. Aber und hier fängt der Fisch zu stinken an, Herr Maaßen ist eben keine rein private Person! Als Leiter des Verfassungsschutzes ist er eine Person des öffentlichen Interesses und Amtsträger einer Behörde, die gerade unter besonderer Beobachtung steht. Konkret geht es um Veröffentlichungen zur Internetüberwachung durch den BfV: Wer also 1 und 1 addieren kann, dem drängt sich ein ganz logischer Schluss auf: Es geht hier gar nicht um Geheimnis- oder gar Landesverrat, es geht Herrn Maaßen und dem Generalbundesanwalt Harald Range um die Einschüchterung von Journalisten. Mit einem ganz klaren Signal: Wir haben Euch im Blick und wenn Ihr uns zu sehr auf die Finger schaut, dann geht es Euch an den Kragen!

Man muss sich den Zusammenhang noch einmal vor Augen führen. Da beobachtet der amerikanische Geheimdienst NSA so ziemlich alles und jeden (aktuell kommt die Meldung, dass auch Japan überwacht wurde), spioniert deutsche Behörden, Ämter und Spitzenpolitiker aus, die daher bei Auslandsreisen unter anderem in die USA neue Mobiltelefone einsetzen die bei der Rückkehr vernichtet werden und unternommen wird Nichts. Herr Range begründet dies mit der Tatsache, er habe keine gerichtsfesten Beweise. Und um dem Fass noch die Krone aufzusetzen, kooperiert eine andere Behörde, der BND, mit der NSA und greift helfend unter die Arme – Stichwort Selektorenliste. Aber gegen Journalisten, die über diesen Themenkomplex berichten werden Gegenmaßnahmen eingeleitet und dazu greift man zu einer ganz, ganz dicken Keule, dem Vorwurf Landesverrat.

Und das politische Berlin schweigt. Wenn es um die Theorie geht, dann sind wir stark, sehr stark engagiert, zumindest in Reden. Wenn es aber um die Verteidigung der Verfassung und eines der maßgeblichen Rechte, dem Recht der Pressefreiheit geht (Art. 5 Grundgesetz), dann ist Schweigen im Walde. Wer ist denn so naiv zu glauben, die Anzeige sei ohne Kenntnis / Rückendeckung des für das BfV zuständigen Innenministeriums erfolgt? Ich jedenfalls nicht und ich stehe damit sicherlich nicht allein! Also Frau Bundeskanzler und der zuständige Herr Innenminister hier drängt sich dann doch ein noch ungeheuerlicher Verdacht auf!