Wieder in Hannover

Das erste Drittel des Jahres ist schon wieder rum, die ersten Messen bereits gelaufen. Dazu gehört selbstverständlich auch die traditionelle Reise nach Hannover – Stichwort IT – und eine Einschätzung zur Veranstaltung: 5 Tage, 210.000 Besucher und 5.800 Aussteller, ja das sind respektvolle Zahlen. Was jedoch für einen Veranstalter viel mehr zählt ist das Feedback der Aussteller! Und die waren – zumindest meine kleine Stichprobe ergibt dies – mit der Veranstaltung zufrieden. Mehr Kontakte hätten sich zwar alle gewünscht, aber genug Kontakte auf einer Messe, das gibt es wohl eh nicht. Was von allen Ausstellern betont wurde, war die Qualität der Gespräche und der Besucher. Wenige „Sehleute“, sehr viel sachkundiges Publikum mit einer hohen Entscheidungskompetenz. Letztlich also die Kontakte, die sich jeder Aussteller wünscht. #Daumenhoch

Bild Hannover Messe - Copyright Deutsche Messe

Hannover Messe – Quelle Deutsche Messe

Thematisch zeigte sich eine interessante Entwicklung! Denn der Blick auf eines der Hype-Themen – die Digitalisierung, das Internet der Dinge, IoT, Industrie 4.0 oder Smart Factory – offenbarte, es war ein zentrales Thema der Messe. Doch im Vergleich zum vergangenen Jahr begegnete man in den Hallen dem Thema auf andere Art und Weise: Es gab weniger aufgebaute Showcases, die verdeutlichen was die sogenannte Digitalisierung bedeuten kann. An deren Stelle war sachliche Information gefragt! Machen war an die Stelle „Erklären und Bebildern was #IoT sein kann“ getreten. Beleg dafür, dass die Digitalisierung in den Köpfen angekommen ist! #Daumenhoch

Ebenfalls interessant, welche Aussteller sich eine Halle teilten: Da fanden sich in Halle 6 unter anderem AWS, Cisco, Google, HP Enterprise, Huawei, Intel und Siemens, während IBM, Microsoft, Oracle UND SAP in Halle 7 zu sehen waren. Prominenz, sehr viel Prominenz! #Daumenhoch

Ich kann mich kaum noch daran erinnern, wann ich Oracle das letzte Mal auf der CeBIT gesehen habe – aber es war ja auch nicht die CeBIT, es war schließlich die Hannover Messe! Da wird es die (kleine?) IT-Tochter im Juni aber schwer haben, diesen Eindruck zu toppen. Zumal hinter vorgehaltener Hand davon gesprochen wurde, dass die CeBIT-Macher bereits dabei seien, deutlich zurückzurudern. Die CeBIT sei ja immer noch Messe und das mit dem Festival, gar nicht sooo in Stein gemeißelt. Aber das sehe ich / sehen wir ja dann im Juni!

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Digital, smart & Co – nur der Veranstalter nicht

Als regelmäßiger Messebesucher ist man ja einiges gewohnt! Dazu zählen das klassische #Buzzwordbingo in Bezug auf die Messe, deren Konzept und die dort ausgestellten Produkte / Dienstleistungen – Pardon Innovationen. Und der Besucher wird vorab auch gerne mit den brandheißesten News versorgt, wer sich denn als Aussteller angemeldet hat, was sich so tolles, innovatives tut. Kann man machen. Aber wenn es denn einen Teil der Kundschaft, die Aussteller, bewirbt und für Aufmerksamkeit sorgt, ein durchaus nachvollziehbarer Schritt.

Und es gibt die E-world energy & water eine total digitale Messe, also vom Anspruch her. Das klingt in Marketingsprech unglaublich klasse, es gibt neben der Messe zusätzlich noch ein Kongressprogramm und superspitzen „Side-Events“ – cool! (Auf so eine krasse Idee ist noch kein Veranstalter vorher gekommen.) Aber wir sind ja schließlich im Jahre 2018, da ist ja alles irgendwie mit Nullen und Einsen, ach ja genau SMART und DIGITAL. Gibt man zum Beispiel den Suchbegriff „Smart“ ein hagelt es 2761 Ergebnisse (vor allem Dank der Themen „Smart City“ und „Smart Energy“), bei „Digital“ 887 und bei „Digialisierung“ immer noch 209. Und weil das so ist, gibt es natürlich auch einen Preis, sorry „Award“ und zwar den „Digital Energy Award“!

E-world 2018 Suche Smart

 

Einfach nur GRANDIOS, daher möchte man selbstverständlich ein Ticket erwerben, falls man keines von einem Aussteller erhalten hat. Also rauf auf die Webseite und kaufen. Oh, geht nicht, stattdessen eine Vorregistrierung. Gut, senkt den Kaufpreis um 50%! Aber dann kaufe ich jetzt sofort. Ach nö, klappt immer noch nicht zuerst einmal einige Informationen liefern was man denn auf der Messe so will – Zeit verplempern natürlich, was denn sonst? Und nach dem Abnicken der Datenschutzerklärung ist der Vorgang abgeschlossen und es geht …. nicht ans Bezahlen! Nein, man bekommt eine E-Mail mit PDF, das Dokument soll man bitte ausdrucken, mitbringen, vor Ort an der Kasse vorzeigen und danach bezahlen – smart eben!

Eine absolute „innovative“ Messe die E-world und ein Veranstalter der wirklich auf der Höhe der Zeit ist. Was ich mich jedoch die ganze Zeit frage, fühlt man sich als smarter Aussteller nicht veräppelt? Mir als Besucher drängt sich im Jahre 2018 jedenfalls ein ganz bestimmter Eindruck auf! Selbstredend ein smarter Eindruck!

#Neuland-Exkursionen im Wiwo #Lunchtalk

Hallo Gunnar,

ich stimme Dir zu, dass die Aussagen von Angela Merkel gestern zu PRISM absolut unmöglich waren.

So ist sie Herrn Obama nicht in die Parade gefahren und hat Bürgerrechte gegen den allwissenden Staat verteidigt. Allein das ist schon eine Katastrophe und verdient schärftste Kritik. Es sei denn, sie vertritt die Ansicht es sei Sache, ja gar das Recht des Staates über Gedanken und Taten seiner Bürger umfassend informiert zu sein. Dass die Tendenz in diese Richtung geht wird offensichtlich. Dann hätte sie jedoch wenigstens so ehrlich sein und das sagen sollen! Aber das traut sie sich selbstverständlich nicht!

Über die Reaktion der Netzgemeinde kann man auch geteilter Meinung sein. Man muss sie nicht, kann sie aber gut finden. Ich gehöre jedenfalls zur zweiten Gruppe. Daher halte ich den Vorwurf von Johannes Kuhn von der Süddeutschen Zeitung, die Reaktion sei Ausdruck des Spießertums, für exakt das was er der Netzgemeinde vorhält: spießig. Denn Humor, etwas durch den Kakao ziehen ist durchaus Ausdruck einer Haltung, einer bewußten Reaktion; aber das Humorverständnis in Deutschland… ist ebenfalls ein Kapitel für sich. Ich, und ich zähle mich in keinem Fall zur sogenannten ”digitalen Elite”, sondern verstehe mich als jemand, für den der tägliche Umgang mit diesem ”Neuland” beruflich und privat selbstverständlich geworden ist, fühle mich dadurch beleidigt.

Und bezüglich der Debatte zur Digitalisierung Deutschlands macht sich bei mir mittlerweile nur noch absoluter Pessimismus breit. Die Entscheidungen der Politik – wie etwa BDA, LSR oder die angedachte Verordnung von Rösler zur Netzneutralität – stehen im absoluten Gegensatz zur angeblichen Bedeutung der IT für die Zukunft unseres Landes. Immer dann wenn ein netter Pressetermin ansteht, IT-Konferenz beim Bund mit SAP, Telekom, BITKOM & Co. (in der Regel eben Konzerne), CeBIT oder ein medienwirksames Treffen mit Startups, dann ist IT / Digitalisierung wichtig, dann wird groß und breit über die Chancen geredet und Unterstützung angekündigt. Wenn nicht dann erliegt die Politik den Einflüsterungen von Lobbyisten, diskutiert über Gefahren statt Chancen und verhält sich kontraproduktiv zu allen Erfordernissen für eine zukünftig starke wirtschaftliche Entwicklung. Das noch nicht einmal marginal vorhandene Wissen zur IT in der Politik ist eine totale Wettbewerbsverzerrung und gefährdet die Zukunft unseres Landes. Das klingt dramatisch ist aber leider auch so dramatisch!

Vielleicht ist das jedoch die Chance die wir haben, dass vielleicht jetzt eine überfällige Diskussion über die Chancen und Erfordernisse der Digitalisierung Deutschlands angestoßen wird. Aber vermutlich werden wir auch das wieder versäumen!

 

PS: Eigentlich ist der Artikel als Kommentar zu einem Artikel von Gunnar Sohn gestartet, der dann aber deutlich länger als gedacht wurde, sodass ich mich entschieden habe, diesen Kommentar hier in Form eines offenen Briefes zu veröffentlichen.