Track your Tracker – die bekannte Geschichte von Wasser und Wein

Tracker

Was seit einiger Zeit immer mehr nervt, ist diese Unsitte beim Besuch einer Website direkt eine Aufforderung zu erhalten, doch bitte den Adblocker auszuschalten. Selbstverständlich verstehe ich, dass das Angebot im Netz irgendwie finanziert werden muss / soll. Und die Verlage haben da zum Beispiel so ihre Schwierigkeiten, aber das ist wiederum kein ganz neues Kapitel. Das Abo wäre so ein Weg, aber ein Abo bedeutet in diesem Falle nicht gleichzeitig, dass auf eine aggressive Form der Onlinewerbung verzichtet wird.

Vielmehr hat man sich von Verlagsseite entschlossen, Wasser zu predigen und Wein zu trinken, auch wenn das noch nie zum moralisch einwandfreien Verhalten gezählt hat. Aber Moral und Geld sind In diesem Fall eben zwei unterschiedliche Paar Schuhe. De facto meint das die Aufrüstung von Verlagsseite mit Trackern. Beispiele gefällig:

  • ZDF: 4 Tracker
  • ARD: 8 Tracker
  • Manager Magazin: 9 Tracker
  • CIO: 10 Tracker
  • Mobilegeeks: 10 Tracker
  • Impulse: 11 Tracker
  • Computerwoche: 15 Tracker
  • FAZ: 19 Tracker
  • Der Spiegel: 24 Tracker
  • Handelsblatt: 27 Tracker
  • Bild: 31 Tracker
  • Wirtschaftswoche: 31 Tracker
  • Süddeutsche Zeitung: 41 Tracker

Diese Liste ist selbstverständlich nur eine kleine Auswahl und besteht aus Marken, die ich beruflich regelmäßig besuchen und lesen muss. Ausnahme sind die öffentlich-rechtlichen Anbieter und Bild, die ich zwecks Gegenüberstellung ausgewählt habe. Die kleine Stichprobe belegt, dass gerade die „Dickschiffe“ und prominenten Publikationen – die sich selbst gerne auch als Qualitätsmedien bezeichnen – negativ auffallen und sich vom Boulevard nicht sonderlich abheben! Und nur um das einmal klarzustellen liebe Verlage, der Adblocker des Lesers / Besuchers ist böse, aber seine Reise via Browser so interessant, dass ihr alles wissen müsst und wollt! Seid ihr vielleicht einmal auf eine naheliegende Idee gekommen, dass das EINE mit dem ANDEREN vielleicht etwas zu tun haben könnte? Gut, ist nur so eine Idee!

Wenn ihr die von euch häufig besuchten Seiten überprüfen wollt, dann könnt ihr das hier machen: https://www.sit.fraunhofer.de/de/track-your-tracker/

Und vielen Dank an das Fraunhofer Institut SIT, das Center for Advanced Security Research Darmstadt und das EC Spride für dieses wunderbare Tool!

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Das Jammern der Verlage Teil II oder Narretei im 21.Jahrhundert

Wie berichtet haben sich die tapferen, deutschen Helden der Verlagsbranche zusammen getan und sind in den gemeinsamen Kampf gegen das Böse gezogen. Das lauert – gut informierte Kreise überrascht das nicht – in Mountain View und hört auf den Namen Google. Diese moderne Form einer Tafelrunde (alles darunter wäre eine Beleidigung für die stolzen Recken) startete dann unter Federführung des Ritters Christoph – vormals bürgerlich unter dem Nachnamen Keese bekannt – die Suche nach Vasallen, Knappen und Bündnispartnern und fand sie in Berlin. Dort gab es eine Werkstatt, die in der Lage war, die besten und schärfsten Waffen zu schmieden. Man bediente sich dieses alten Handwerks und erhielt eine vollkommen neue Waffe genannt Leistungsschutzrecht.

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Aber ach welch Gram, das Böse reagierte gar nicht so wie man es sich erhofft hatte und kapitulierte einfach nicht. Nein, oh Schreck es wollte und wollte nicht zahlen, sondern welch schlimmer und heimtückischer Schachzug, man ignorierte dieses Fähnlein der Aufrechten. Da stand nun die VG Media in all ihrer Pracht – hier könnte man auch mit Fug und Recht den Ausdruck Blamage verwenden – und wusste nicht ein noch aus. Der Traffic auf den eigenen Seiten, den das Böse dorthin brachte und die damit verbundenen Einnahmen waren attraktiv und jetzt, jetzt war guter Rat teuer. Dann muss man eben doch kooperieren zumindest so lange, bis ein neuer Schlachtplan entwickelt worden ist oder neue Verbündete gefunden werden. Zumindest das ist eher schwierig, das Bundeskartellamt hat bereits abgewunken.

Also kreißte der Berg erneut und gebar eine Maus. Google darf aufgrund des weisen Beschlusses der Ritterschar ab sofort aber nicht auf ewig weiterhin Snippets und Thumbnails anzeigen. Das Ganze nennt sich in schönstem Behördendeutsch „widerrufliche Gratiseinwilligung“ und zeigt auf überaus deutliche Art, das LSR ist komplett gescheitert. Derweil leckt Ritter Christoph seine Wunden und schweigt!

Jeder mit einem gesunden Menschenverstand versehene Beobachter dieser Ereignisse konnte wohl voraussehen, dass das mit dem LSR, nie und nimmer funktionieren kann. Google schickt Besucher auf die Webseiten der Verlage und für diese von Google erbrachte Dienstleistung soll Mountain View zahlen? Wenn nur die Hälfte der Energie, die in die ganze Lobbyarbeit geflossen ist, darauf verwendet worden wäre sich auf die Suche nach einem nachhaltigen Geschäft im Digitalen zu machen und wie man Google dafür nutzen kann. Ja dann wäre den Verlagen sicherlich mehr geholfen.

Etwas Gutes hätte das alles jedoch. Das setzt aber voraus, dass die Politik ihre Lehren aus dieser Geschichte zieht. Denn nach meinem persönlichen Empfinden ist dies ein extrem übles Beispiel für Lobbyismus, die Blamage des Gestzgebers inklusive. Und wenn das zur Folge hätte, das Lobbyisten in Berlin weniger Gehör fänden, ja dann… Ach ja, man wird ja wohl noch träumen dürfen!

Das Jammern der Verlage

So jetzt macht Google ernst und zieht die Konsequenzen aus dem Vorgehen der Verlage, die in der VG Media zusammengeschlossen sind: Demnächst werden weder Textausschnitte noch Vorschaubilder dieser Unternehmen mehr angezeigt. Stattdessen zeigt die Suchmaschine nur noch den Link und die Überschrift des Artikels an. Damit befindet sich Google in einer rechtlich einwandfreien Situation, denn es wird nur das angezeigt, was NICHT gegen das neue Leistungsschutzrecht verstößt.

Also um das noch einmal Klipp und klar festzustellen: Die Verlage haben durch das geänderte Gesetz – dessen „Sinn“ in diesem Zusammenhang nicht zur Debatte steht – das gute Recht, von Suchmaschinenbetreibern vulgo Google zu verlangen die Erlaubnis zur Veröffentlichung von Textausschnitten oder Vorschaubildern einzuholen. Wenn diese das nicht machen, wie Google das jetzt eben praktizieren will, dann ist das Googles gutes Recht. Punkt, Schluss, aus!

Die Verlage wären aber nicht die Verlage, wenn sie auch nicht jetzt wieder versuchten in Mountain View den Schuldigen zu sichten. Die Frage, wer für die Situation verantwortlich ist, ist eigentlich klar zu beantworten. Doch anscheinend agieren bei der VG Media Leute, die erst handeln und dann über mögliche Folgen nachdenken. Denn der Böse ist natürlich – Google! Oder um es mit den Worten der grandiosen Pressemitteilung der VG Media zu sagen, Google erpresst Rechteinhaber! Also Google darf nicht die Konsequenz aus dem neuen Leistungsschutzrecht ziehen, sondern hat nach Ansicht der Verlage auch weiterhin Snippets und Thumbnails zu nutzen und für ordentlich Traffic auf deren Seiten zu sorgen inklusive einer Vergütung!

Die Frage, die ich mir seitdem stelle: Sind die Verlage jetzt total irre geworden oder ist mein Verstand nur zu klein, dass ich die dahinter liegende Logik nicht erfassen kann?

Die neue Hoffnung der Verleger: Jeff Bezos

Was ist in der letzten Zeit nicht alles über das Sterben der Verlage orakelt und geschrieben worden und wie sehr haben die Verlage versucht, die Situation als Krise und nicht als Siechtum zu interpretieren. Doch seit heute ist alles anders! Seit heute bietet sich den Zeitungsverlagen eine neue Chance! Jetzt wird sich alles zum Guten wenden! Denn eine der renommiertesten Tageszeitungen der USA, die ”Washington Post” wurde zum Preis von 250 Mio. US-Dollar verkauft. Eine der wichtigsten Tageszeitungen wurde verkauft. Das ist jedoch mit Sicherheit nicht die neue Chance und der Verkaufsgrund – die Verleger der Post hatten keine Ahnung, wie es weitergehen sollte – ist es auch nicht. Nein, der Grund ist der Käufer: Jeff Bezos und zwar als Person, nicht sein Unternehmen Amazon!

Jeff Bezos, E-Commerce-Guru und als Investor bei The Business Insider bereits mit dem Journalismus verbandelt, soll es nun richten. Vielleicht hat er ja die Idee, wie ein Verlag heute Gewinne erzielen und in die Zukunft transferiert werden kann. Vielleicht können ja alle anderen von ihm lernen, wie man Journalismus digital betreibt, vernünftige und Kunden-freundliche Micro-Payment-Modelle entwickelt, wie man Anzeigenerlöse erzielt oder ein Ersatzmodell findet oder…

Ab sofort gehört es also zum morgendlichen Ritual in den Chefetagen der Verlage zu überprüfen, was die Washington Post denn so macht, wie der Wandel dort vollzogen wird und was man davon denn schleunigst selbst übernehmen könnte! Und dann können auch hiesige Verleger aufatmen. Jeff Jarvis ist sich jedenfalls sicher: “If he does do what I hope, which is to experiment and try new things, and if he generously shares his lessons, that could save more than The Post. The world of newspapers will be watching what Jeff Bezos does.”

Eins vergessen die Verleger bei dieser Rechnung jedoch. Jeff Bezos ist zwar ein Digital Native, verfügt über ausreichend Kreativität und ist zu Experimenten bereit um Ziele zu erreichen. Was aber noch mehr zählt, er hat den erforderlichen langen Atem und das notwendige Kapital, die unter Umständen lange Durststrecke zu überwinden um dann mit dem neuen Geschäftsmodell durchzustarten. Zeit jedoch ist etwas, was in den meisten Verlagen nur noch in begrenztem Maße vorhanden ist!

Digital vs. Papier oder unterschiedliche Strategien im Springer-Funke-Deal

Die Meldung platzte gestern wie eine Bombe in die Verlagswelt: Die Axel Springer AG verkauft insgesamt neun Printtitel an die Funke-Mediengruppe GmbH & Co. KGaA (die Änderung der Firmierung ist Folge des Deals). Was sich wie eine ”normale” Meldung liest, beinhaltet jedoch in vielerlei Hinsicht Sprengstoff.

Da sind zum einen die Titel die abgegeben werden. Dazu gehört die Regionalzeitung ”Berliner Morgenpost”, die Frauen- und Programmzeitschriften ”Bild der Frau”, ”Frau von heute”, ”Bildwoche”, ”TV Neu”, ”Funk Uhr”, und ”TV Digital”, Titel die keine besondere Bedeutung für den Verlag haben. Anders sieht es aber beim ”Hamburger Abendblatt” und der”Hörzu” aus. Denn dies sind nicht irgendwelche Titel, sie zählen vielmehr zu den Wurzeln des Verlages. Im Jahr 1946 gründeten Axel Springer und sein Vater, der Verleger Hinrich Springer, den Axel Springer Verlag in Hamburg. Erste Publikationen waren eben die Hörzu und die Nordwestdeutschen Hefte. 1948 folgte dann das Abendblatt. Damit wird deutlich, in Hamburg macht man ernst mit dem Wandel des Unternehmens hin zur digitalen Wirtschaft und zwei Kernmarken sollen es rausreißen, ”Bild” und ”Welt”. Selbst vor dem Schlachten Heiliger Kühe, wie in diesem Fall mit Abendblatt und Hörzu, schreckt man nicht zurück.

Der andere Aspekt betrifft den Käufer, die Funke-Mediengruppe. Deren Kaufziel ist laut Pressemitteilung, die Entwicklung des Konzerns zu einem führenden nationalen Medienhaus zu beschleunigen. Vermarktung und Vertrieb sollen gemeinsam mit Springer erfolgen und dadurch die Situation in Essen eine Wendung zum Guten finden. Und das Ganze zum Preis von 920 Mio. Euro, bei einem Umsatz der neun Titel von 512,4 Mio. Euro und einem EBITDA von 94,8 Mio. Euro. Da kann man Springer nur gratulieren. Denn unternehmerisch dürften die Hanseaten der Gewinner sein und sich die Hände reiben ob dieses Deals. Zumal sie noch ein zweites Mal kassieren werden und zwar Zinsen. Denn die Kreditlinie in Essen scheint nicht ausreichend groß zu sein, um den Abschluss stemmen zu können, sodass Springer einen Kredit von 260 Mio. Euro bereitstellt!

Hier beantworten also die zwei beteiligten Verlage, die grundsätzliche Frage, wie ihre Zukunft aussehen soll vollkommen unterschiedlich. Die Funke-Mediengruppe setzt weiterhin auf Print, will den Schwerpunkt auf seine Regionalmedien und Zeitschriften konzentrieren und dabei Print und Digitalmedien verbinden. Doch ob dies angesichts der stetig sinkenden Auflagen von Regionalzeitungen und Zeitschriften, dem hohen Schuldenstand und der Frage wie die Zukunft von Print aussieht gelingt, ist auch angesichts der Essener Konzeptlosigkeit sehr zu bezweifeln. Denn bisher sah die Strategie so aus, dass zuerst Ausgaben gesenkt werden müssen in Form von Zusammenlegungen, Stellenstreichungen, Lohnkürzungen. Schon jetzt dürfte in den Redaktionen und kaufmännischen Abteilungen das große Zittern ausbrechen.

Aus Sicht von Springer ist der Verkauf der Titel vor allem eins: konsequent. Ende Juni erklärte der Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner gegenüber der Süddeutschen Zeitung, man wolle der digitalste Medienkonzern werden“. Und dafür hat man in den letzten Jahren bereits einige Zukäufe realisiert: Dazu gehören Unternehmen wie Stepstone, Immonet und Kaufda. Der Wandel ist im vollen Gange und der Verkauf an Funke spült weiteres Geld in die Kassen, um digital wachsen zu können. Verlierer ist der Printbereich, aber dieser hat für Springer anscheinend keine Zukunft mehr. Denn eines beweist der Deal, Matthias Döpfner, Chef von Europas größtem Zeitungshaus glaubt nicht mehr an Print. Für ihn heißt die Zukunft digital. Und dass er damit falsch liegt, darauf gehe ich jedenfalls keine Wette ein!

Update 29. Juli 2013: Auch in Frankreich beschreitet Springer den Weg der Digitalisierung und verkauft große Teile seines Print-Geschäfts. Dort geht der französische Zeitschriftenverlag PGP an das Medienunternehmen Reworld Media.

Bundestag nimmt Leistungsschutzrecht an

Jetzt ist es dann doch passiert, war ja auch nicht anders zu erwarten. Deutschland schwingt sich in ungeahnte Höhen auf: Wir verstehen was von diesem Internet-Kram! Wenn wieder einmal jemand aus Regierungskreisen irgend etwas davon erzählt, man wolle diese Internet-Dingens Start-Ups unterstützen, ein deutsches Silicon Valley ermöglichen… einfach einmal nachfragen wie denn das mit dem LSR gelaufen ist. Was das denn mit digitaler Offensive zu tun habe und so weiter.

Jetzt poste ich also doch und entgegen meiner gestrigen Aussage zum LSR. Der Grund liegt im Beitrag von Thomas Knüwer. Ich finde seine Argumentation vollkommen richtig und werde auch daher nicht mehr auf Inhalte von Verlagen verlinken.

Und der – sich selbst so bezeichnende – Qualitätsjournalismus setzt sich beim LSR durch, wenn auch nur mit Abstrichen. Die Frage die sich stellt, ob die Damen und Herren schon einmal etwas von Pyrrhus gehört haben, denn das war es mit Sicherheit.