Funke-Mediengruppe glaubt an die Zukunft der Zeitung, aber wer glaubt noch an die Funke-Mediengruppe

Krude Logik im Quadrat. Da strebt die Funke-Mediengruppe den Kauf der Regionalzeitungen des Axel Springer Verlages an, um so die Entwicklung des Konzerns zu einem führenden nationalen Medienhaus zu beschleunigen. Und dann wird eine Lokalredaktion nach der anderen geschlossen oder wie jetzt gar verkauft. Dieses Mal trifft es alle Blätter die im Großraum Dortmund erscheinen. Käufer ist die Mediengruppe Lensing mit ihren ”Ruhr Nachrichten”, die bereits teilweise WAZ und Westfälische Rundschau (WR) mit Lokalnachrichten versorgt. Vorbehaltlich der Zustimmung des Bundeskartellamtes übernimmt Lensing die Ausgaben der WAZ und WR in Dortmund, Lünen sowie Castrop-Rauxel und zusätzlich die WR-Ausgabe in Schwerte. Funkes Content Desk in Essen soll jedoch weiterhin den Mantelteil liefern.

Also wenn man an die Zukunft von Print glaubt – oder wie in diesem Fall besser glauben muss – dann erschließt sich dieses Vorgehen dem Betrachter gar nicht. Denn ein führendes nationales Medienhaus, das nach und nach eine Redaktion nach der anderen schließt, das verstehe wer will! Aber vielleicht hoffen die Beteiligten, dass das Abstecken der Claims im Ruhrgebiet gepaart mit einer intensivierten Zusammenarbeit den Rettungsanker für ihre Häuser liefert und sie so dem Zeitungssterben entgehen!

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Aus und vorbei: Die Verlage glauben nicht mehr an die Zukunft der Zeitung

Angekündigt wurde sie mit großem Brimborium Ende vergangenen Jahres, die gemeinsame Marketingaktion der im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) organisierten Zeitungsverlage. Ziel war es Stärke zu zeigen, die Marke Zeitung über Werbespots und Anzeigen letzt nochmalig positiv aufzuladen. Doch am Donnerstagabend hat die Delegiertenversammlung des BDZV dann anders entschieden, „das Projekt sei aus inhaltlichen, aber auch aus ökonomischen Gründen bei vielen Verlagen auf Skepsis gestoßen“. Doch am 16. September soll wiederum über die Angelegenheit diskutiert werden. Ob der Beschluss dann geändert wird, ich glaube es nicht.

Damit ist es offiziell, ein Investment in die Zukunft der Zeitung ist für die Verlage anscheinend sinnlos oder kann aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr erfolgen – Kapitulation Anno 2013. Während der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ)  seit Jahren die Zeitschriften-Kampagne „Print wirkt“ fährt, gibt der BDZV auf. Ganz egal, ob eine Kampagne des BDZV nun Erfolg gehabt hätte oder nicht, ob es ein Signal gegenüber Agenturen und Mediaplanern gewesen wäre weiterhin in die Tageszeitung zu investieren oder nicht, was auf jeden Fall bleibt ist der Eindruck der entsteht: Die Verlage haben ihr Produkt Zeitung aufgegeben! Das sitzt!

Passend hierzu die aktuelle Meldung, dass die „Neue Zürcher Zeitung“ erbärmliche Zahlen zu ihrer Paywall-Initiative zu vermelden hat. Im Zeitraum Oktober 2012 bis heute sollen es weniger als 1.000 Abonnenten, aus der Redaktion soll die Zahl 800 durchgesickert sein, gewesen sein. 100 Abos im Monat, das sagt eigentlich alles, Online rettet die Verlage auch nicht mehr, das Zeitungssterben wird weitergehen!

Personalabbau in Bremen

Nein das soll auf keinen Fall eine Geschichte werden, nach dem Motto, seht ihr, ich hab es doch schon immer gewusst. Dafür ist das Thema viel zu ernst! Vor allem für die Betroffenen, aber verschweigen oder gar schweigen dazu, das geht auch nicht. Denn eine erneute Schreckensmeldung erreicht die Mitarbeiter in deutschen Verlagshäusern besser gesagt eines Regionalverlages. Dieses Mal ist nicht schon wieder von der Funke Mediengruppe die Rede. Nein, denn jetzt kündigt die Bremer Tageszeitungen AG an, den Sparhammer zu schwingen und betroffen sind 110 Mitarbeiter, rund ein Drittel der Angestellten. Erneut sollen also laut DJV zahlreiche Beschäftige entlassen werden, um den Laden zu retten. Das sitzt und zwar richtig!

Die Häufigkeit der Meldungen in der letzten Zeit zeigt nicht nur einen Trend an, sondern ist eher Beleg dafür, dass die Uhr immer schneller tickt. Es geht schlicht um das nackte Überleben der Tagespresse insgesamt. Die IVW-Zahlen lügen jedenfalls nicht. Überraschen kann das aber nicht, denn viel, zuviel ist in den letzten Jahren versäumt worden. Und die Verlage haben es aus ihrer Position der Stärke verpasst, diesen Wandel mitzugestalten. Wer jetzt immer noch glaubt es könne und werde alles so weiter laufen wie bisher, wenn man nur etwas oder viel spart, der hat anscheinend noch immer nicht verstanden, dass wir bereits mitten im Zeitungssterben stecken.

Update 26. April: Der Heckmeck um Hackmack fügt dem Kapitel BTAG noch eine weitere Nuance hinzu. Ulrich Hackmack, Vorstandsvorsitzender seit 14 Jahren, wurde vom Aufsichtsrat abberufen. Grund ist jedoch nicht die Kündigungswelle sondern eine drohende Entscheidung des OLG Bremen, seine Vertragsverlängerung 2009 sei formal nicht korrekt verlaufen. Die Ursache liegt im Streit der beiden Gesellschafterfamilien Meyer und Hackmack. Auch bezüglich der Strategie sollen unterschiedliche Auffassungen vorhanden sein. Das erinnert etwas an die Situation bei der WAZ-Mediengruppe, die jetzt zur Funke-Mediengruppe mutiert ist. Hoffen wir für die Mitarbeiter, dass die Entwicklung in Bremen sich auch nicht in anderen Punkten der in Essen annähert, denn dann folgen bald neue Entlassungswellen.